Ayşe Aydın

Universität Mersin. Archeologisches Institut.

Keywords: Demirciören, Kilikien, Kirche, Isaurien, Christliche

Kilikien liegt am südöstlichsten Mittelmeergebiet Kleinasiens und ist durch den Taurus und Antitaurus im Norden, das Mittelmeer im Süden, Korakesion im Westen und das Amanos Gebirge im Osten begrenzt. Kilikien ist landschaftlich in einen gebirgigen Westteil, die Kilikia Tracheia und einen ebenen Ostteil, die Kilikia Pedias gegliedert[1].

Seit dem 4. Jt. v. Chr. ist diese Region besiedelt und insbesondere im 5. und 6. Jh. sind in Kilikien und Isaurien in sielen Siedlungen Kirchen, Häuser, Nekropole und Zisternen errichtet worden. Dies scheint sich an Beispielen wie Emirzeli, Korykos, Tapureli, Kanlıdivane zu bestätigen.

Die Kirchen zeigen sowohl lokale Eigenschaften als auch Einflüsse aus anderen Regionen; dies ist anschaulich am Beispiel von Demirciören.

Der Ort Demirciören befindet sich in Kilikia Tracheia. Er liegt 3 km nördlich von Korykos. Die Siedlung ist mit einem kurzen gepflasterten Weg an die römische Straße von Korykos nach Olba angeschlossen.

Demirciören war von römischer bis in frühbyzantinische Zeit bewohnt. In der Siedlung befinden sich noch zahlreiche Reste von Häusern und rechteckigen, unterirdischen Zisternen für die Wasserversorgung[2].

Beschreibung der Kirche

Inmitten der Siedlung liegt eine dreischiffige Kirche, die bisher in der Literatur wenig erwähnt wurde[3]. Sie entspricht dem basilikalen Typus (Abb. 1). Die Wände der Kirche sind außer der Westwand des Narthex gut erhalten. Das Mauerwerk besteht aus Kleinquadern, einem Zwei-Schalen-Werk mit Mörtelhinterfüllung. Für die Wandzungen und die Ecken wurden große geschnittene Steine verwendet (Abb. 2).

Im Westen ist der Kirche ein Narthex vorgelagert. Die Südseite des Narthex öffnet sich mit einem Bogen (Abb. 3). Dagegen ist die Nordseite aus Kleinquadern mit Mörtel aufgemauert. Von der Westseite ist nur die Ecke erhalten. In der Ostwand des Narthex sind drei Eingänge vorhanden, von denen die zu dem nördlichen Seitenschiff gehörende Tür zerstört ist. Ihre Türgewände bestehen aus monolithen Kalksteinblöcken. In die Wände des Narthex sind Konsolen für die Empore eingesetzt.

Der Naos besteht aus drei Schiffen. Sie waren durch zwei Säulenreihen voneinander getrennt, aber heute ist die innere Säulenstellung verloren.

Die Wandzunge an der Westwand sind teilweise erhalten, an der Ostwand dagegen sind sie zerstört.

In der Nordwand der Kirche befindet sich eine Tür. Ihr Gewände besteht aus monolithen Kalkstein Blöcken. An beiden Außenseiten des Quaderrahmens der Tür sind zwei vorkragende Konsolen in die Wand eingelassen. Auf ihnen war ein steinernes Schutzdach aufgelegt. Außer dieser Tür hat die Nordwand der Kirche keine Öffnung.

Die Südwand ist unten von einem Eingang, der sich in der Mitte der Wand befindet, oben von je doppelbogige Fenster durchbrochen. Das wesdiche doppelbogige Fenster ist teilweise zerstört.

In die Längswände der Seitenschiffen sind Konsolen für die Emporen eingesetzt. Ihre Auflagefläche sind noch durch einen Rücksprung in der Wand auf gleicher Höhe vergrößert.

Das Mittelschiff endet in der Hauptapsis (Abb. 4). Sie besteht aus kleinen Quadern bis in die Apsishalbkuppel. Für die Apsishalbkuppel wurden große sorgfältig geschnittene Steine verwendet. In der Apsismauer exisüert ein Doppelfenster, das hufeisenförmig ist.

Die Seitenschiffe enden in den Räumen im Osten, die sich neben der Hauptapsis befinden.

Die Türen der Räume sind vorhanden, aber ihre Wände sind größtenteils zerstört. Sie haben je eine halbkreisförmige Apsis im Osten.

Die Apsis und die neben ihr vorhandenen Nebenräume sind durch eine geradlinige Mauer im Osten abgeschlossen. Neben dem südlichen Nebenraum befinden sich Annexräume. Die Funktione den Nebenräume und Annexräume sind umstritten[4].

Die Stellung der Kirche in Demirciören innerhalb Kilikiens und Isauriens

Die Kirche in Demirciören vertritt den basilikalen Typus, der für die Kirchen in Kilikien und Isaurien im 5.-6. Jh. vorherrschender Typus war. Meistens wurden dreischiffige Säulenbasilikcn wie in Demirciören errichtet[5].

Diese Kirchen haben in der Regel einen Narthex. Dieser Narthex hat meistens einen Eingang mit drei Arkaden, der auf zwei Säulen ruht, wie der Eingang der Kirche 1 und IV in Kanlıdivane[6], in Işıkkale[7], die Kathedrale und die Querschiffkirche in Korykos[8], die Zenonkirche in Meryemlik, die Tempelkirche in Uzuncaburç[9] und die Südkirche in Yanıkhan[10]. Die Westwand der Kirche in Demirciören ist auch mit einem solchen Eingang rekonstruiert[11].

Meistens wurden doppelbogige Fensterformen für die Südwand der Kirchen in Kilikien und Isaurien gewählt, wie für die Kirche III in Kanlıdivane, die Grabeskirche und die Querschiffkirche in Korykos und die Ostkirche in Alahan.

Wegen der klimatischen Bedingungen der Landschaft ist die Nordkirche der Kirchen meistens fensterlos und fester gemauert[12]. Die beide Eigenschaften sind auch bei der Kirche in Demirciören zu sehen.

Über dem Narthex, den Seitenschiffen und den Nebenräumen befanden sich Emporen.

Dieses ist für die kilikischen und isaurischen Kirchen charakteristisch. Ebenso typisch ist das ortsübliche Kleinquadernwerk in zwei Schalen für die Kirchen.

Die frühchristliche Kirchen in dieser Region haben ein dreigeteiltes Sanktuarium im Osten. Bei der Kirche in Demirciören ist dieser Teil durch eine geradlinige Mauer im Osten abgeschlossen, wie beide Ostkirche und der Westkirche in Alahan, der Kirche in Batısandal, der Kirche in Cambazlı, der Kirche in Çukurkeşlik, der Kirche I und III in Kanlıdivane, der Kirche in Kızılaliler, der Marienkirche in Korykische Grotten, der Kirche C in Tapureli, der Tempelkirche in Uzuncaburç zu sehen sind. Diese Variation für den Ostabschluß ist eigentlich für Kirchen in Syrien typisch[13].

Bei der Kirche in Demirciören fehlen Bauinschriften. O. Feld fand bei seiner Reise ein Kapitellfragment in der Kirche. Es zeigt die Pfeilerkapitelle der Grabeskirche von Korykos als Parallele für diese Kapitellfragmente und datiert deshalb die Kirche um die Mitte des 6. Jh. Wegen der einfachen Form des Apsisfensters mit Hufeisenbögen ist sie am Anfang des 6. Jhs. zu datieren [14].

Man nimmt an, daß Kilikien eine Mittlerstellung zwischen dem anatolischen Hochland und dem syrischen Raum eingenommen hat. Kilikien weist zu verschiedenen Zeiten Entwicklungszüge auf, die teils mehr die kleinasiaüschen, teils stärker die syrischen Beziehungen betonen[15].

Dies trifft auch auf der Architektur zu. Das dreigeteilte Sanktuarium ist eine Übernahme aus dem syrischen Raum. Über den Nebenräume, dem Narthex und den Seitenschiffe existieren Emporen, die auf hauptstädtischen Einfluß deuten. Der basilikale Typus, das Mauerwerk, der dreigeteilte Eingang des Narthex zeigt lokale Eigenschaften der Kirchen in Kilikien und Isaurien.




* Dieser Aufsatz wurde anlässlich des Zweiten Europaforms an der Ionischen Universität Korfu vorgetragen. (Oktober 2000).

Footnotes

  1. Strabon, Erdbeschreibung - durch Anmerkungen erläutert Erdbeschreibung - durch Anmerkungen erläutert von Dr. A.Forbiger- Bd. V. Buch 13-15,1858, XIV, 5. 1-2
  2. F. Bild- H. Hellenkemper. Kilikien und Isaurien, TIB 5. Bd. I-H, 1990, 237; H. Hellenkemper-F. Hild, Neue Forschungen in Kilikien, 1986, 67.
  3. O. Feld. Bericht über eine Reise durch Kilikien, IstMitt 13/14, 1963/1964, 101; J. Keil-A. Wilhelm, Denkmäler aus dem Rauhen Kilikien, MAMA III, 1931, 119f. ; Hild-Hellenkemper 1990, 237; Hellenkemper- Hild 1986, 67; F. Hild- H. Hellenkemper- G. Hellenkemper-Salies, Kommagene - Kilikien- Isaurien, RBK 1V.1990, 222ff. Abb. 16; S. Hill. The Early Byzantine Churches of Cilicia and Isauria, 1996, 144ff. Fig. 24.
  4. Dazu A. Aydın. Emirzeli: Eline hellenistische bis spätantike Siedlung im Rauhen Kilikien. 1999.98ff.
  5. Doch existieren auch wenige Pfeilerkirchen wie die Kirche in Hasanaliler. die Kirche in İmandı, die Kirche in Kizilaliler und die Nordkirche in Hierapolis-Kastabala
  6. S. Eyice, Die Basiliken von Kanhdivan (Kanytelides-Kanytelleis) in: ZDGM Supp IV,1980, 491 Abb. 1-4.
  7. S. Eyice, Ricerche e Scoperte Nella Regione di Silifke Nella Turchia Meridionale, in: Milionl, 1988. Taf.VIl Abb. 2.
  8. Hill 1996. Abb. 17-18.
  9. Hild- Hellenkemper- Hellenkemper-Salies 1990, 236 Abb. 21 und 246 Abb. 25.
  10. Hill 1996. Abb. 59.
  11. Hild- Hellenkemper- Hellenkemper-Salies 1990, 222; Hill 1996, 144.
  12. Hild- Hellenkemper- Hellenkemper-Salies 1990, 273.
  13. Für die Beispiele s. H.C. Butler. Early Churches in Syria 4th.-7th ,1929. 26 Abb. 21. 29 Abb. 26, 35 Abb. 33. 50 Abb. 47, 62 Abb. 60 usw.
  14. Hild- Hellenkemper- Hellenkemper-Salies 1990 222
  15. Hild-Hellenkemper 1990, 98 f.

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