Bernhard Schmaltz

Keywords: Kaunos, 1988-1989, Archäologie, Türkei

Eine Einladung zur Kooperation, ausgesprochen von Prof. Dr. B. Ogün, dem langjährigen Ausgräber von Kaunos, hat es ermöglicht, daß ich in den beiden vergangenen Jahren jeweils über mehrere Wochen hin Untersuchungen in der antiken Stadt durchführen konnte. So gilt auch hier mein Dank an erster Stelle Herrn Öğün, der mit seinem Engagement für das antike Kaunos und mit seiner Liberalität dieser Zusammenarbeit über die nationalen Grenzen hinweg den Weg öffnete. Ausschlaggebend war dabei nicht zuletzt der starke Anstieg des Tourismus, der auch in dieser bislang fast abgeschiedenen ‘Ecke’ der SW-Türkei antike Ruinenstätte zu überfluten und zu zerstören droht. Dieser Aspekt bestimmte auch fürs Erste die Zielsetzung meiner Arbeti.

Nicht weniger dankbar bin ich Dr. C. Işık, der insbesondere vor Ort durch unermüdlichen und selbstlosen Einsatz das Unternehmen forderte. Seine praktische Hilfe im konkreten Fall, sein freundschaftlich-kritischer Rat in ungezählten Problemfallen und sein stetes hilfreiches Wirken auch ‘hinter den Kulissen’ — im Großen wie im Kleinen — haben maßgeblich dazu beigetragen, wenn hier über erste Ergebnisse dieser Untersuchungen berichtet werden kann.

Nicht zuletzt gilt mein Dank auch Prof. Dr. H. Seeger vom Institut für Angewandte Geodäsie/Frankfurt und seinen Mitarbeitern vom Geodätischen Institut der Universität Bonn, vor allem Dipl. Ing. P. Franke. Seit Jahren in der Türkei tätig im Bereich der Erdbebenvorhersageforschung haben sie sich mit dem Kaunos-Projekt auf ungewohntes Terrain begeben. Nach sorgfältiger Prüfung haben sie sich auf die so andersartigen Erfordernisse eingelassen, haben geduldig die Ziele archäologischer Feldforschung kennengelemt und mit Engagement verfolgt. Ihr Verdienst ist es, wenn hier nach relativ kurzer Zeit ein erster Teilplan der antiken Stadt Kaunos vorgelegt werden kann, ein Plan, in dem die Gegebenheiten des Geländes ebenso erfaßt sind wie die wichtigsten Ruinen [1].

Schließlich danke ich ganz besonders der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die trotz angespannter Lage das Unternehmen hilfsbereit finanzierte.

Mit dem Stich word ‘Teilplan’ ist das erste, vorrangige Ziel der laufenden Untersuchungen genannt. Vordringlich schien mir, in einem Geländeplan die derzeit sichtbaren Ruinen zu erfassen, sowohl diejenigen byzantinischer Zeit wie auch die älteren. Notgedrungen mußten wir uns auf größere Mauerzüge beschränken, konnten in der Regel nicht einzelnen Steinsetzungen nachgehen um sie im Plan aufzunehmen. Dies hätte langwierige Reinigungen vorausgesetzt, die in der kurzen Zeit nicht zu leisten waren. Doch was bislang von Erde so gut wie ganz geschützt war, dürfte auch weiterhin vor Zerstörung relativ sicher sein. Andererseits wird es in Zukunft vergleichsweise einfach sein, anhand des Planes dann einzelnen Mauern oder Mäuerchen nachzugehen, die bisher nicht berücksichtigt wurden. Zugleich bietet der vorliegende vorläufige Plan (Abb. I) einen ersten Ansatz, um sich Gedanken über die Stadtanlage und Stadtenwicklung zu machen. Technische und formale Ähnlichkeiten oder gar Entsprechungen sowie Bezüge in der Orientierung werden es in Zukunft erlauben, Mauern und Gebäude jeweils gleichen Phasen zuzuordnen, zumindest im Groben; als weiterer Schritt ergibt sich dann, gezielte Untersuchungen vorzunehmen, um das Bild der jeweiligen Phase zu klären und zu ergänzen. Ein erster Ansatz in dieser Richtung hat sich im Laufe der beiden letzten Kampagnen bereits ergeben.

Zur Stadtanlage und Geschichte (Abb. 1).

Inmitten des heutigen Ruinenfeldes, etwa mittig zwischen ‘Hafenstoa’ und Theater, d.h. ungefähr in halber Höhe am Hang südwestlich unterhalb der ‘Palästraterrasse’ konnte bereits 1988 der Rest einer Mauer über ca. 32 m hin verfolgt und gereinigt werden. Kennzeichnend sind die großformatigen Polygone, meist recht dicht und sorgfältig aneinander gerückt, deren Fronten oft erstaunlich plane Flächen bieten, ohne jedoch Bearbeitungsspuren erkennen zu lassen. An einer Stelle wurden auch etwas tiefere Lagen freigelegt, wobei deutlich wurde, daß die Mauer in ihrem heute sichtbaren oberen Teil hangabwärts, d.h. nach NW etwas herausgedrückt wurde. Da die Mauer den Hang in nordöstlicher Richtung hinaufläuft, scheint es sich nicht um eine mehr oder weniger hangparallele Terrassenmauer zu handeln.

1989 konnte O. Özer einen offensichtlich zugehörigen Teil dieser Mauer, eine Fortsetzung weiter unten am Hang (zum Hafenbecken hin) nachweisen. Hier verläuft die Mauer sogar genau senkrecht zum Hang. Auch wenn hier wie weiter oben eine parallel verlaufende zweite Mauerschale bisher nicht nachgewiesen ist — schließlich handelt es sich bislang nur um oberflächliche Reinigungsarbeiten — scheint es nicht abwegig zu sein, in dieser altertümlich anmutenden Mauer den Rest einer alten Stadtmauer zu sehen.

Diese Annahme stützt sich vor allem darauf, daß im Bereich der Kleinen Akropolis und ihrer NO-Terrasse über lange Strecken hin auf der Hangkrone eine z.T. gut erhaltene Stadtmauer zu verfolgen ist, die teilweise ganz ähnliche Polygone in ähnlich dichter Fügung verwendet. In diesem Bereich aber ist offenkundig, daß dieser Polygonalverband älter ist als die isodome Mauertechnik, die sich auch an anderen Abschnitten der Stadtmauer, etwa im Westen, aber auch innerhalb des Stadgebietes immer wieder findet.

Überraschend war nun 1989, daß dank eines Hinweises von B. Varki- vanc östlich des Gipfels der Kleinen Akropolis in der Ebene zwei fast rechtwinklig zueinander stehende Mauerzüge gereinigt werden konnten, deren Polygone in Form und Zurichtung unmittelbar an die bisher erwähnten Mauern erinnern[2]. Die beiden Mauern begrenzen in der natürlichen, weiten ‘Bucht’ ein segmentförmiges Areal, doch schließen sie es zur Ebene hin offensichtlich nicht völlig ab. Denn die von N her kommende Mauer konnte in ihrem südlichen Ende festgestellt werden: Ein besonders großer Block bildet eine saubere, so gut wie rechtwinklige Ek- ke. Auch wenn von der südwestlich liegenden Mauer das östliche Ende bisher nicht festgestellt werden konnte, scheinen sich beide Mauerzüge nicht getroffen zu haben, sondern so etwas wie eine Lücke frei gelassen zu haben. Diese ‘Öffnung’, der Verlauf der beiden Mauern und vor allem ihre Lage lassen vermuten, daß hier die Reste eines kleinen Hafenbeckens zu fassen sind, das zu einer Zeit angelegt wurde, als das heutige Dalyan- Delta noch weitgehend, zumindest aber bis zu diesem Bereich Meer war. Die fortschreitende Verlandung hat dann diesen ‘S-Hafen’ langsam zugeschwemmt, so daß anschließend allein das große, auch heute noch mit Wasser gefüllte Becken nördlich der Kleinen Akropolis als Hafen genutzt werden konnte.

Die zuerst genannte Polygonalmauer inmitten des heutigen Ruinenfeldes, die recht ähnlichen Mauerzüge im Bereich der Kleinen Akropolis und ihrer NO-Terrasse sowie der kleine ‘S-Hafen’ lassen fragen, ob hier nicht Reste einer alten Stadtanlage zu fassen sind, einer Stadt, die noch von bescheidenem Ausmaß war, die sich auf das Gebiet zwischen Kleiner Akropolis und Theater konzentrierte, und die noch nicht so einseitig auf das heutige, große Hafenbecken ausgerichtet war, sondern offener, stärker vom Meer bestimmt war: Vermutlich in Entsprechung zur damaligen ge- ographi-schen Situation der weiten Meeresbucht des heute verlandeten Deltas verfugte das alte Kaunos über zwei Häfen und war exponierte Seestadt.

Die referierten Beobachtungen und Überlegungen geben einen ersten Ansatz für Perspektiven, die erst anhand eines topographischen Planes sinnvoll und gezielt weiterverfolgt werden können. Insofern versucht die laufende geodätische Arbeit eine erste Grundlage zu schaffen, die in Zukunft natürlich ausgebaut und um Details bereichert werden muß.

Im Zuge der geodätischen Aufnahme war es notwendig, an zahlreichen Steilen Reinigungen durchzuführen, um den Mauerveriauf wenigstens oberflächlich zu klären. Dies betraf insbesondere die Stadtmauer, die auch heute noch das weitaus größte Denkmal der Stadt ist, imposant in den Dimensionen ihrer Befestigungen, in der Qualität der Steinfügung und Steinbearbeitung und nicht zuletzt erstaunlich in der Vielfalt der Mauer techniken bzw. Mauerformen. So erschien es doppelt gerechtfertigt, einige Mauerbereiche sorgfältiger zu reinigen oder gar etwas eingehender zu untersuchen.

Die untersuchten Mauerbereiche.

Mauerbereich I (Abb. 2).

Südlich der NO-Terrasse der Kleinen Akropolis schiebt sich ein kleiner Felsspom in die Ebene vor, der nach S und O steil, Z.T. sogar senkrecht abfällt, und der sich knapp 14 m über die Ebene erhebt[3]. Die ursprünglich buckelige Oberfläche der Kuppe wurde an zahlreichen Stellen abgearbeitet, so daß sich eine bescheidene Fläche ergab, die fur einen Turm genutzt wurde. Sein Geviert von 6,75 X 8,7 m ist im nördlichen Teil in Form der sorgfältig verlegten Zweischalenmauer noch recht gut erhalten, im südlichen Teil dagegen fast nur anhand der Felsarbeitungen abzulesen. Die westliche Mauer überwindet von N nach S eine Höhendifferenz von fast 2 m, wobei der Südteil auf einem etwa, 2,5 m tiefer lie-genden Absatz vor der eigentlichen Feiskuppe liegt, die unmittelbar hinter der W-Mauer im Inneren des Turmes aufragt.

Die erhaltenen Mauerreste des Turmes zeigen die übliche Zweischalen-Technik mit gelegentlichen durchlaufenden Bindern. Ansonsten ist das Innere der 0,9 m dicken Mauer mit einer Packung aus kleineren Steinen und Lehm gefüllt. Die Quaderhöhe schwankt zwischen 29,3 cm und 35,6 cm; auch das mittlere Maß von 32,5 cm ist bezeugt.

Indessen sind die geringfügig abweichenden Höhen nicht durchgehend für die jeweilige Quaderschicht beibehalten, und ebensowenig ist in der Abfolge der verschiedenen Quaderhöhen von oben nach unten eine wie auch immer geartete Konsequenz zu beobachten. Freilich ist dabei zu berücksichtigen, daß relativ wenig von der ursprünglichen Bausubstanz erhalten ist; nur an der W-Mauer sind 6 Quaderschichten in Abtreppung erhalten, und selbst sie bilden kaum eine ausreichende Grundlage für die Frage, ob die unterschiedlich hohen Quader im Sinne einer absichtsvollen Rhythmisierung verlegt waren.

Die Quader sind bemerkenswert sorgfältig bearbeitet[4]. Ihre Stimllächen sind leicht bossiert (bis zu 8 cm). Die Auflagerflächen sind häufig mit einem feinen Randschlag bis zu 8 cm Breite versehen; die nach hinten anschießenden Quaderflächen sind grob gepickt. Die vertikalen Stoßflächen sind oft bis auf einem schmalen vorderen Rand unregelmäßig, seltener wie die Auflager im Sinne der Anathyrose bearbeitet. Nur die Binder weisen regelmäßig auch sorgfältig hergerichtete Stoßflächen auf. Zahlreiche Quader der Außenschale zeigen knapp hinter dem Randschlag ein Stemmloch[5], auch dies ein Hinweis für die Sorgfalt, mit der der Turm erbaut worden war. In diesem Sinne sind auch die Lotkanten an den beiden nördlichen Tunnecken zu erwähnen.

Zum 5,5 m höher gelegenen Plateau der NO-Terrasse fuhren von den nördlichen Turmecken aus zwei Mauern hinauf. Von der westlichen Mauer ist nur noch der Anstaz der Außenschale erhalten, den weiteren Verlauf sichern lediglich entsprechende Felsabarbeitungen, die in der Flucht liegen[6]. Die östliche Mauer ist dagegen auf längere Strecken hin nachgewiesen. Bei einer Breite von fast 1,4 m weist die Mauer zwei Mauerschalen auf, deren Zwischenraum mit Steinen und Lehm vollgepackt ist. Nur für die äußere Schale sind wie am Turm sorgfältig gearbeitete Quader mit Randschlag, Anathyrose und Stemmlöchem verwendet[7]. Die innere Schale besteht dagegen aus kleineren und oft unregelmäßigen Blöcken, die den Packungssteinen im Mauerinneren häufig entsprechen. Nach N hin, d.h. am Steilhang der No-Terrasse verlieren sich beide Mauerschalen; nur treppenartige Abarbeitungen im Fels beweisen, daß die Verbindungsmauer vom Turm her bis zur Polygonalmauer der NO-Terrasse herangefuhrt war und unmittelbar an sie anschloß. Dabei ist nicht zu übersehen, daß die Polygonalmauer die ältere ist, an die die isodome Verbindungsmauer von S her angebaut wurde.

Abgesehen von den Quadern der Außenschale unterscheidet sich die östliche Verbindungsmauer recht deutlich von den Turmmauem: Innenschale, Mauerfüllung und Mauerbreite weichen offenkundig ab. Hinzu kommt, daß die Mauer nicht etwa in den Turm einbindet, sondern gleichsam nur lose herangeschoben ist[8]. Denn die Quader des Turmes weisen auch hier wie an den übrigen Sichtflächen die üblichen Bossen auf, und der schmale Randsteg der Ecklehre ist ganz widersinnig auch auf der Seite ausgearbeitet, wo die Verbindungsmauer ansetzt. Dies gilt in gleicher Weise auch für die westliche Verbindungsmauer.

Die Vermutung, daß Turm und Verbindungsmauem nicht in e i n e m Arbeitsgang errichtet wurden, findet eine weitere Stütze in einem unscheinbaren Detail. An der nordöstlichen Turmecke weist der Eckquader die bereits erwähnte Lotkante auf. Dabei tritt an der östlichen Stirn des Quaders neben dem geglätteten Steg der Ecklehre unmittelbar die rauhe Bosse vor. Ganz entsprechend war dieser abrupte Absatz auch an der nördlichen Stirn des Quaders ausgearbeitet; doch wurde offensichtlich nachträglich der scharfe Vorsprung der Bosse abgearbeitet, so daß ein allmählicher Übergang vom glatten Steg der Ecklehre zum bossierten Teil des Quaders geschaffen wurde. Der Sinn dieser Maßnahme wird einsichtig angesichts des anschließenden Quaders der Verbindungsmauer: üm ihn möglichst nahe an den Turm heranschieben zu können, und um seine Lage leidlich stabil zu machen wurde die ursprüngliche Ansichtsseite des Eckquaders im Sinne einer Anschlußfläche wenigstens grob geglättet. Ursprünglich muß dagegen die Turmecke als frei stehende Ecke angelegt gewesen sein.

Der Schluß liegt nahe, daß sich drei Bauphasen scheiden lassen: Die alte Polygonalmauer war zunächst die alleinige Befestigung. Ihr wurde später ein kleiner Turm auf der Felsnase vorgelegt — vielleicht weil der Fortschritt der Militärtechnik eine solche Erweiterung erforderlich machte, oder aber, weil geographische Veränderungen wie etwa die Verlandung des Deltas eine solche Maßnahme erzwangen. In einer dritten Phase wäre dann dieser Turm mit den heute noch sichtbaren Verbindungsmauern an die Hauptbefestigung, die Polygonalmauer ‘angebunden’ worden.

So plausibel zunächst eine derartige Phasen-Abfolge erscheinen mag, so ist doch ein Umstand nicht zu vergessen. Südlich an den Quader der NO-Ecke schließt ein bossierter Block an, der zur Stoßfuge hin einen etwa 5 cm breiten, sorgfältig geglätteten Randschlag aufweist, neben dem dann recht unvermittelt die Bosse vortritt. Die Zurichtung entspricht aufs Engste der des Nachbarblockes mit seiner Lotkante. Der Verdacht liegt nahe, daß dieser zweite Quader südlich der Ecke ursprünglich als Eckquader mit Lotkante hergerichtet worden war und erst im Zuge einer Zweitverwendung seinen Platz an seiner heutigen Stelle fand. Bei dieser zweiten Verwendung müßte, so ist zu vermuten, die zweite Stirnfläche mit ihrer Bosse zu einer planen Stoßfläche hergerichtet worden sein[9]. Ein entsprechender Fall ist auch in der westlichen Turmwand zu beobachten. Auch hier findet sich im laufenden Quaderverband ein Block mit einer Lotkante. Schließlich sind in der N-Wand des Turmes zwei Quader nebeneinander verbaut, deren Bosse ganz bzw. teilweise fehlt, und die statt dessen eine sorgfältig gepickte, plane Fläche aufweisen, ganz so, als seien sie auf Anschluß gearbeitet. Doch fehlt im nördlich anschließenden Gelände jeglicher Hinweis auf eine eventuelle Mauer; ausserdem weist die tiefer liegende Quaderschicht der Turmmauer eine entsprechende auf Anschluß deutende Fläche auf, die jedoch weiter nach O reicht, wo der Quader darüber bereits wieder mit Bosse versehen ist. So scheint auch hier wie bei den beiden Quadern mit Ecklot ein Hinweis vorzuliegen, daß diese Blöcke in ihrer heutigen Position nicht ihre ursprüngliche Funktion erfüllen, sondern im Zuge einer Zweitverwendung ihren Platz fanden. Dies würde bedeuten, daß der Turm in seinem heutigen Bestand nicht als originäre Phase zu verstehen ist, sondern daß er seinerseits bereits einen zweiten Zustand darstellt. Damit könnte es dann auch Zusammenhängen, daß die Quaderhöhen innerhalb ein und derselben Schicht geringfügig differieren, daß die Höhen der Schichten nicht einem Konzept folgen, z.B. nach oben zu langsam abnehmen, und daß die Stemmlöcher in den Quadern der Außenschale auf der einen Seite ganz fehlen, sich auf der anderen Seite aber auffällig häufen. Denkbar wäre, angesichts der genannten Ungereimtheiten, daß der ursprüngliche Turm einstürzte — aufgrund welcher Faktoren auch immer — und anschließend relativ rasch wieder aufgebaut wurde[10], wobei das originale Steinmaterial weitgehend wiederverwendet wurde, jedoch nicht immer in ursprünglicher Position[11]. Ob gleichzeitig anläßlich dieses Wiederaufbaues die Verbindungsmauem zur höher gelegenen NO-Terrasse errichtet wurden oder erst später, läßt sich derzeit nicht entscheiden.
Chronologische Anhaltspunkte lieferte der Befund selbst bislang kaum. Denn weitgehend bedeckte den Fels nur eine dünne Humusschicht ohne jegliche Scherben. Lediglich im mittleren Abschnitt der östlichen Verbindungsmauer war die Humusschicht bis zu 40 cm stark und mit Keramik durchsetzt; doch fanden sich nur Wandungscherben einer groben, undekorierten Ware. Offensichtlich handelt es sich um Material, das mit der Erde vom Plateau der NO-Terrasse herabgeschwemmt wurde, und das mithin einer Zeit angehört, in der die Befestigungen bereits verfielen.

Unter der Humusschicht kam in diesem Bereich mehrfach eine dichte, graue Lehmschicht zutage, die jedochh keinerlei Scherbenmaterial enthielt. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Lehmpackung, die bei Anlage der Mauer eingebracht wurde.

Chronologische Indizien bietet allenfalls der Mauerbefund, der Qua-derverband und die Bearbeitung der Blöcke. Freilich kann es sich dabei nur um sehr ungefähre Hinweise handeln. Die sorgfältig geglätteten Ränder der Auflager — und Stoßflächen im Bereich der Mauerfront mit der anschließend rauh belassenen Fläche, eine Art Anathyrose also, finden sich — innerhalb von Festungsmauem — recht ähnlich in Priene, in Phyle und Samos, aber auch noch an der eumenischen Mauer in Pergamon[12]. Der zeitliche Rahmen ist also recht weit zu ziehen. Andererseits sind zwei weitere Indikatoren nicht zu vergessen. Die insgesamt eher zurückhaltende Bossierung der Quader unterscheidet sich deutlich von der “rauhen und unregelmäßigen Bossierung mit starker Ausladung", wie sie z.B. in Milet im späten 5 Jh. belegt ist, erinnert eher an die Form, die in Samos zu Beginn des Hellenismus vertreten ist[13]. Und die Form der schmalen Binder mit ihrer hochrechteckigen Stirn “taucht im 4. Jh. gelegentlich auf” und ist dann ab etwa 300 v.Chr. “üblich"[14]. Sicherlich bieten die genannten Merkmale der kaunischen Turmmauer keinen Anhalt Tür eine engere zeitliche Fixierung. Doch scheint der Rahmen zumindest im Groben abgesteckt zu sein, scheint auf die Zeit der späten Klassik und des früheren Hellenismus eingegrenzt werden zu können[15].

Es bleibt ein letzter chronologischer Aspekt zu bedenken. Wie bereits skizziert, wurde der Turm zu einem späteren Zeitpunkt errichtet als die polygonale Mauer der No-Terrasse. Diese alte Mauer war offensichtlich in der Frühzeit als Befestigung ausreichend, was nach Entdeckung des nahen Südhafens auch unmittelbar einleutet: Reichte doch das Meer in dieser Zeit bis unmittelbar an den Fuß jener felsnase, auf der später der Turm errichtet wurde. Daß dieser Turm dann als notwendig angesehen wurde, dürfte damit Zusammenhängen, daß die Verlandung so weit fortgeschritten war, daß zusätzlicher Schutz vor andrigenden Feind notwendig wurde. Gerade auf der vorspringenden Felsnase war ein Wachturm bes-tens geeignet, den Feind beizeiten ausfindig zu machen, die beiden angrenzenden und mehr oder weniger verlandeten Buchten zu überblicken und die Hänge vor den Mauern der No-Terrasse mit Geschossen von der Seite her zu bestreichen. Saolange ein Feind hier nur mit dem Schiff sich nähern konnte, bedurfte es dieses Turmes wohl nicht. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach einem möglichst genauen Erbauungsdatum für den Wachturm zusätzlich an Interesse.

Mauerbereich II (Abb. 3).

Nordwestlich des beschriebenen Turmes, dort, wo die Verbindungsmauern an die Polygonalmauer anschließen, biegt diese Polygonalmauer von NO kommend in einem deutlichen Knich um und führt fast genau nach W. Nach nicht einmal 5 m bricht die Reihe der großen Polygonblöcke ab, um sich nach 7 m in der ca. 3 m hoch anstehenden Polygonalmauer fortzusetzen. Dazwischen liegt so etwas wie eine Mauer-Bresche. Knapp vor ihrem W-Ende steht im Abstand von etwa 3 m hinter (nördlich) der Außenflucht der Polygonalmauer eine weitere Mauer an, die in fast rechtem Winkel von der Polygonalmauer nach N führt und über etwas mehr als 2 m hin zu verfolgen war; auch diese Mauer besteht aus Polygonen, die jedoch kleiner sind und z.T. lockerer gefügt sind, gelegentlich auch rohe, kubische Form haben. Der Gedanke an eine Toranlage lag nahe; damit hätte sich auch gut erklären lassen, daß die Stadtmauer gerade in diesem Bereich so stark zerstört worden war.

Die Reinigung erbrachte, daß in der Flucht der Außenschale statt polygonaler Blöcke sorgfältig zugehauene Bossenquader in isodomer Schichtung verlegt sind. Felsabarbeitungen am O-Ende der Bresche zeigen, daß über der erhaltenen Reihe von Quadern weitere folgten; auch nach unten setzt sich der isodome Verband fort, denn zumindest eine weitere Quaderschicht konnte noch 20 cm tief freigelegt werden. Im W fehlen nach dem 7. Quader weitere, doch zeigen anschließende Felsglättungen, daß sich die Mauer mindestens noch 1 m weiter nach W fortsetzte (Höhen-MArken 18.278 und 18.396). So bleibt bis zum Ansatz der westlich noch vorhandenen Polygonalmauer nur noch ein weiterer knapper Meter, der als tatsächliche Lücke unzusprechen ist: Die Wahrscheinlichkeit, daß gerade hier ein Tor bzw. eine schmale Pforte angebracht war, ist recht gering. Eher ist zu vermuten, daß die ‘Mauerbresche’ auf eine tatsächliche Zerstörung zurückgeht, anshließend in isodomer Technik ausgebessert wurde und später doch wieder an gleicher Stelle durch neuerliche Zerstörung entstand.

Die Quader der isodomen Ausbesserung sind im Vergleich zum Baumaterial des Turmes größer und nachlässiger gearbeitet. Die Höhe der erhaltenen Schicht liegt bei 40 cm. Die Bossen der Stirnflächen sind unregelmäßiger, z.T. auch kräftiger. Zum Mauerinneren hin sind die Quader ebenfalls unregelmäßiger, seitliche Stoßflächen sind nur vereinzelt zu beobachten. Die Auflager der Quader sind durchgehend grob gepickt, Stemmlöcher sind nicht angebracht. So unscheinbar diese Eigenheiten im Vergleich zum nahe gelegenen Turm auch sein mögen, so erscheinen sie gerade im Hinblick auf die Nähe des Turmes doch erwähnenswert zu sein. Denn wären Ausbesserung der Mauer und Errichtung des Turmes gleichzeitig erfolgt, dann hätte es wohl nahe gelegen, gleichartiges Material zu verwenden.

Drei Meter nördlich der isodomen Renovierung sind im O und W der ‘Bresche’ die Enden einer weiteren, parallel verlaufenden Mauer ergraben. Entsprechend dem natürlichen Anstieg des Geländes sind die Steine bis zu fast 2 m höher verlegt. In beiden Abschnitten sind mittelgroße, grobe Feldsteine verwendet, wobei im westlichen Teil einige kleinere Steine zur Füllung der Lücken verwendet wurden. Die Orientierung der Mauer, d.h. ihre Parallelität zur südlichen Außenschale, das unbearbeitete Steinmaterial und die lockere Fügung lassen keine Zweifel daran, daß es sich um die Innenschale des renovierten Mauerabschnittes handelt. Si-cherlich lief das Plateau der NO-Terrasse auch hier einheitlich durch, was bedeutet, daß der ergrabene Teil der Innenschale ursprünglich durch Anschüttung unsichtbar war. Zu erwähnen bleibt noch, daß der renovierte Mauerabschnitt insgesamt um etwa 80 cm schmaler ist als die westlich anschließende Polygonalmauer. Dies ist bemerkenswert, insofern die Zerstörung dieses Teiles hätte Anlaß geben können, durch zusätzliche Mauerbreite fur bessere Stabilität zu sorgen. Warum man sich mit einer schmaleren Mauer begnügte, ist nicht ersichtlich.

Im O schließt an den freigelegten Abschnitt der Innenschale in stumpfem Winkel eine Mauer an, die aus sorgfältiger ausgewähltem Material besteht. Zwar scheinen auch diese Steine weitgehend unbearbeitet zu sein; doch handelt es sich um plattenförmige Steine unterschiedlichster Formate, die ihre Form offenbar der natürlichen Schichtung des Gesteines verdanken. Deutlich ist, daß diese Mauer an die erwähnte Innenschale der Stadtmauer angefügt und daher später entstanden ist. Bemerkenswert ist allerdings, daß sie in ihrer Richtung der fast 4 m weiter östlich verlaufenden Innenschale der Polygonalmauer folgt.

Ungeklärt bleibt vorerst die Funktion jener Quermauer, die nahe dem W-Ende der Mauerbresche nach N läuft und zunächst eine Toranlage vermuten ließ. Schon die Freilegung der Außenschale der renovierten Stadtmauer zeigte, daß keine Toranlage vorliegt. Hinzu kommt, daß in einem 2,20 m langen Suchschnitt senkrecht zu jener fraglichen Quermauer keinerlei Anhaltspunkte für eine östlich parallel geführte Mauer nachzuweisen waren, die zu einer zweiten Torwange hätte hinführen können. Statt dessen steht östlich der fraglichen Quermauer sehr rasch der Fels an, der nach O zu weiter ansteigt. Andererseits ist unstrittig, daß besagte Quermauer mit ihrer Unterkante ca. 30 cm tiefer liegt als die Innenschale der Stadtmauer; daß Quermauer und Innenschale in eine einheitlich rötliche, sandige Schicht gebettet sind, die sich ca. io cm weit auch noch unter den beiden Mauem verfolgen ließ; zu erwähnen ist ferner, daß die Quermauer gerade in Flucht der Innenschale über 3 bzw. 4 Steinlagen hin einen Abschluß zu bieten scheint, d.h. daß an dieser Stelle die Quermauer im Schnitt eine westliche Stirnfläche aufzuweisen scheint — bei einer Dicke von fast 1 m. Daß es sich nicht um ein belangloses Mäuerchen handelt, ist offenkundig; doch läßt sich über Funktion und Sinn der Mauer bisher nichts weiter aussagen.

Wie im Bereich des benachbarten Turmes beschränkte sich die Arbeit weitgehend auf die Beseitigung offenkundig rezenter Verschüttung und der Humusschicht. Nur im Zwickel zwischen jener Quermauer und der Innenschale der Stadmauer wurden auch unter dem Humus liegende Schichten ergraben. Die schwarzbraune, stark mit Steinen durchsetzte Humusschicht von ca. 20 cm Stärke setzte sich nach unten fort, wobei in den folgenden ca. 20 cm jedoch zunehmend Scherbenmaterial zutage trat, dagegen immer weniger Erde; der Anteil der meist kleineren Steine nahm noch etwas zu. In Höhe der Oberkante der erhaltenen Mauer-Innenscha- le folgte eine neuerliche Humusschicht, nur bis zu 10 cm stark, in der nur mehr wenig Steine und wenig Scherben gefunden wurden.

Darunter setzte sich jene schon erwähnte rötliche Schicht klar ab, die stark sandig war, keine Scherben und nurmehr wenige, kleinere Steine enthielt. Die gleiche Schichtenabfolge war in dem Suchschnitt zu beobachten, der senkrecht zur Quermauer 2,20 m nach O hin gezogen wurde. Unterschiedlich war lediglich, daß in der scherbenreichen Schicht auch zahlreiche Fragmente von Terrakotten geborgen wurden, und daß die darunter folgende, dünnere Schicht fast schwarz war und zahlreiche Knochenreste enthielt.

Etwa ein Drittel der geborgenen Keramik ist attischer Provenienz. An erster Stelle zu nennen sind Fragmente von mindestens zwei Bauchamphoren. Eine davon (1 Tf. 1) ist sicher dem Typus B zuzuweisen und dürfte vom Rycroft-Painter selbst stammen. Bei diesem Maler findet sich auch häufiger — insbesondere in seiner späteren Schaffenszeit — die sonst ungewöhnliche Verbindung des Themas ‘Krieger im Viergespann’ (Seite A) mit dem Thema ‘Dionysos auf dem Maulesel’ (Seite B). Daher ist durchaus zu überlegen, ob die Fragmente dieser Szene tatsächlich zur gleichen Amphora gehören, auch wenn sie nicht unmittelbar anpassen.

Weitaus zahlreicher vertreten sind Schalen (3-12). Neben vielen insig- ni Pikanten Fragmenten von Schalenböden gibt es doch auch genügend Schalen-Füße und Ränder, anhand derer ein Bild zu gewinnen ist. Demnach handelt es sich um einfache Schalen mit schwarzem Glanzton-Überzug, deren einziger Dekor in ausgesparten oder in verdünnt aufgetragenen Streifen besteht. Nur einmal bezeugt ein Fragment (12) jenen Typus, bei dem in der Henkelzone ein Fries sehr kursorisch gemalter Palmetten auf einer dichten Reihe großer Kringel steht. Neben der durchschnittlichen Randweite von 19 bis 21 cm (Durchmesser in Randhöhe) sind gelegentlich auch kleine Exemplare mit einem Durchmesser von nur 6 cm vertreten. Vergleichsbeispiele in Athen weisen in die Zeit um 500 v.Chr., ein Datum, das mit dem der Amphoren recht gut übereinstimmt. Doch wird man diesen Rahmen nicht allzu eng ziehen und auch nicht für ausschließlich halten. Denn mehrere kleine Fragmente mit bestem Glanztonüberzug könnten, soweit ich sehe, auch zu Gefäßen späterer Typen und Formen gehören, und zumindest eine kleine Scherbe mit gestempeltem Blattstab weist eindeutig in spätere Zeit.

Fast doppelt so hoch ist der Anteil einer dickwandigen und gröberen Ware, die teilweise noch Reste matter Bemalung aufweist. Häufigkeit und schlichte Qualität lassen vermuten, daß es sich nicht um Import, sondern um lokale Keramik handelt. Tonkonsistenz und — färbe, Behandlung der Oberfläche und Bevorzugung rundlich — schwerer, fast urtümlicher Formen verbinden die Funde im Sinn einer recht einheitlichen Gruppe.

Der Ton ist in der Regel grobkörnig, enthält teils erstaunlich große Kalkpartikel undr mehrfach sogar rote und/oder schwarze Steinchen. Gelegentlich sind auch Glimmerpartikel zu beobachten, jedoch in der Regel recht feine und nicht sehr zahlreiche. HäuPig reibt sich der Scherben leicht ab, selten erreicht er eine bemerkenswerte Härte. An der Oberfläche ist der Ton beige, meist nach Braun tendierend, gelegentlich mehr nach Grau, selten nach Rot;zum Inneren der Wand hin verfärbt sich der Ton zu einem kräftigen Rotbraun, seltener anschließend zu Grau. Die Oberfläche zeigt keinen Schlickerauftrag mit eigenem Farbwert; vielmehr ist sie mit dem Glättholz (ganz flache Kanten) oder mit einem nassen Schwamm geglättet, so daß sie dichter ist im Sinne eines feinen Schlickers; gelegentlich erreicht sie auf diese Weise einen ganz schwachen Matt-Glanz. Vor allem auf größere Gefäße ist schlichter Streifendekor in Schwarzbraun, Dunkel — und/oder Hellrot aufgetragen, jeweils matt.

So zahlreich auch die Scherben sind, so konnte bislang doch kein vollständiger GePäßkontur rekonstruiert werden. Allerdings ist es angesichts des Anteiles von Rand — und Boden — bzw. Fußfragmenten sehr wahrscheinlich, daß sie zumindest z.T. gleichen Gefäßtypen zuzuordnen sind. Tonqualität und Formate legen es sogar nahe, daß manche Fragmente vom gleichen Gefäß stammen. Insofern darf man mit Krateren, Schüsseln und Schalen rechnen, wohl auch mit Amphoren.

Kratere mit und ohne Fuß lassen sich im Einzelnen nicht scheiden[16]. Erhalten sind steile, leicht nach außen (131) oder nach innen (15(F) geneigte Ränder, die vom eigentlichen Gefaßkörper in einem Knick abgesetzt sind (13, 17) oder aber der Wölbung der Kesselwand mehr oder weniger folgen; bei den nach außen geneigten Rändern ist die Lippe als artikuliertes, horizontal ausgerichtetes Glied gebildet, wogegen bei den nach innen gerichteten Rändern die Lippe imgrunde nur die leicht verdickte, in sanftem Bogen nach außen gerichtete und rundlich abschließenden Fortsetzung der Kesselwandung ist (15(F). Seltener erhaltene konische Füße zeigen einen abgesetzten Standring (20f), ein Formelement, das an die abgesetzten Lippen der Ränder 13f erinnert; doch ist ebenso die Möglichkeit eines quasi abgeschnittenen Fußes belegt (19). Ob diese Variante den rundlichen Lippen der nach innen geneigten Kesselränder zuzuordnen ist, die häufiger erhalten sind, oder ob diese eben zu Krateren ohne Fuß gehören, ist vorerst nicht zu beweisen; letztere Möglichkeit ist mir wahrscheinlicher[17].

Fast alle Fragmente zeigen noch mehr oder weniger Reste von Bemalung. In der Regel ist es ein schlichter Streifendekor[18], für den matte Farben verwendet sind, ein kräftiges Schwarzbraun und Dunkelrot; helles Rot und helles Braun sind selten. Freilich ist zu bedenken, daß diese Farben unmittelbar auf die Wand aufgetragen wurden (ohne Grundierung) und meist leicht abblättem. Insofern ist sicher mit einer ursprünglich reichlicheren Bemalung zu rechnen.

Noch weniger lassen sich bisher Schüsseln und Schalen unterscheiden. Lediglich der beträchtliche Durchmesser verbunden mit einem steileren Anstieg der Wand unter dem Rand (ca. 45') mag Anlaß geben, bei den Fragmenten 22f an Schüsseln zu denken, bei den folgenden dagegen an Schalen. Deren Ränder (24f) sind zuden etwas deutlicher im Sinne eigenständiger Wulste verdickt und abgesetzt. Ob dies aber ein typologisches Kriterium ist, um Schalen und Schüsseln in Kaunos zu unterscheiden, muß vorerst offen bleiben. Ebenso muß offen bleiben, ob die erhaltenen Schalen- bzw. Schüsselböden ohne oder (häufiger) mit Standring (26ff) eine Entscheidung erlauben. Selbst die ungewöhnliche Größe des Fragmentes 29 bietet keinen eindeutigen Anhaltspunkt für die Deutung als Schüssel, da gerade in diesem Fall ausnahmsweise die Bodenunterseite mit schwarzbraunen Streifen konzentrisch dekoriert ist[19], eine Besonderheit, die man eher mit Schalen verbinden wird, die man in die Hand nahm, hoch hielt und auch von unten sah. Zudem steigt gerade in diesem Fall die Wand besonders flach an, was ebenfalls eher für eine Schale spricht.

Nach Material, Lippenform und Bemalung gehören zur gleichen Ware auch Amphoren (30Π). Ihre Identifizierung ergibt sich aus der Enge und senkrechten Führung des Halses. Freilich fehlen bislang paarweise angeordnete Henkel, so daß nicht auszuschließen ist, daß die Fragmente z.B. von Kannen stammen.

Gefäß — und Einzelformen, Farbwerte und Motive des Dekors sind natürlich nicht singulär, es gibt mehrfach ungefähre Entsprechungen und auch Parallelen[20]. Soweit deren Fundschichten und stilistische Sequenzen eine chronologische Einordnung erlauben, ist im Vergleich zu den o.g. attischen Funden ein älterer Zeithorizont angesprochen: Manche Vergleiche weisen ins mittlere 6. Jh. oder gar in die i. Hälfte, andere lassen gar eine noch ältere Tradition erkennen.

Ähnlich weit scheint der chronologische Spielraum jener selteneren Scherben zu sein, die sich schon aufgrund des Materiales von der lokalen Ware absondem und die sich nicht-attischen Importen zuordnen lassen. Dies gilt für den Rest einer ‘Fikellura’—Amphora (33), deren lockerer, schräg gestrichelter Lippendekor mit gleichem Fries darunter wohl schon in die 2. Hälfte des 6. Jh. weist. Älter dürfte dagegen das Teller-Fragment 34 sein, das man sich mit oder ohne konischen Fuß vorstellen mag. Und noch eindeutiger ist die ältere Tradition an dem Fragment eines Skyphos (35), dessen durchbohrte GrifTplatte typologisch ungewöhnlich ist; doch gibt die Dekoration dieser Platte mit dem Andreaskreuz und den vier parallelen Streifen unschwer eine noch geometrische Tradition zu erkennen, auch wenn die fehlende Rahmung und die lockere Verteilung klar über diese frühe Epoche hinausweisen.

Natürlich gibt es noch etliche Scherben, die sich wegen ihrer schlechten Erhaltung vorerst nicht genauer zeitlich fixieren lassen (z.B. 361)· Sie können vielleicht in Zukunft noch genauere Aufschlüsse geben. Doch zeigen bereits die genrannten Beispiele 33ff, daß die scherbenreiche Fundschicht nicht ausschließlich dem Zeithorizont ihrer attischen Keramik zugeordnet werden darf. Vielmehr ist zu vermuten, daß die für die lokale Keramik angesprochenen chronologischen Indizien ebenso emst zu nehmen sind wie die der wenigen genannten nicht-attischen Importe. Demnach scheint die lokale Keramik und der nicht-attische Import vor allem der Zeit vor dem Ende der Archaik, d.h. dem 6. Jh. anzugehören, wogegen der attische Import mehr oder weniger zeitlich anschließt.

Diese Beobachtung ist bedeutsam im Zusammenhang mit dem letzten Anteil jener Fundschicht, den wenigen Terrakotten (38ff Tf. 2). Soweit der fragmentarische Zustand erkennen läßt, handelt es sich vor allem um Vertreter geläufiger östlicher Typen, die am Ende des 6. Jh. bzw. am Beginn des folgenden ausgeformt wurden. Einige mögen auch älter sein. Insgesamt bestärken sie den Eindruck — zusammen mit den Resten verstreuter Tierknock en —, daß es sich bei dem Inhalt der Schicht um Abraum des nahe gelegenen Heiligtums auf dem Plateau der NO-Terrasse handelt. Votivschutt von dort wurde offenbar zu späterer Zeit zur Hinterfüllung der Innenschale des restaurierten Mauerabschnittes genutzt. Nicht auszuschließen ist sogar, daß wie an der Stadtmauer die gleichen Ursachen dazu führten, daß Schutt aus dem Heiligtum weggebracht werden mußte — etwa im Zuge von Neubaumaßnahmen nach einer Zerstörung. Wann genau dies freilich geschah, ist derzeit anhand der Funde nicht zu entscheiden.

Mauerbereich III (S-Bastion[21]; Abb. 4).

Der Gipfel der Kleinen Akropolis fällt nach SO etwa 15 m steil, zum Teil senkrecht ab zu einer langgestreckten Bergnase, die sich etwa 200 m langsam abfallend nach SO hinzieht bis zum heutigen Ufer des Flusses Dalyan. Der höchste Teil dieses Höhenrückens, der noch dem Gipfel der Kleinen Akropolis nahe liegt, bildet eine relativ weite, etwa dreieckige Fläche, die ursprünglich von Mauern gefaßt war. Die östliche Mauer ist auch heute noch gut erkennbar, teilweise sogar als zweischalige Mauer; die westliche Mauer ist dagegen bis auf wenige Blöcke und vereinzelte Abarbeitungen verschwunden. Das südöstliche Ende dieser Ummauerung bildet ein fast quadratisches Mauer-Viereck von 11,7 X 11,8 m, dessen Mauer-Reste nur zu einem kleinen Teil zutage lagen[22]. Oberflächliche Reinigung sowie einige Spaten tiefe Grabungen in einigen Abschnitten brachten Gewißheit, daß es sich um einen mächtigen Turm handelt, der durch zwei lange Mauem mit dem Gipfel der Kleinen Akropolis verbunden ist[23].

Überraschend ist zünächst die Dicke der Mauem: Im N und W mißt die Mauer genau 2 m, im S und O gar 3 m. Auch angesichts des Formates des Turmes ist diese Mauerstärke ungewöhnlich, wie der Vergleich mit anderen Türmen zeigt. Selbst bei noch größeren Türmen wie z.B. dem Torturm in Sunion wird die Mauerstärke von 1,5 m nicht überschritten, und der Fall der Batterie in Goritsa mit 2 m dicken Mau-em scheint relativ vereinzelt zu sein[24]. Dazu kann die auffallende Mauerstärke in Kaunos auch nicht mit Verweis auf die geographische Situation erklärt werden. Denn Türme in weitaus exponierterer Lage -man denke z.B. nur an Herakleia am Latmos - weisen geichwohl gleichwohl dünnere Mauem auf[25]. Auch eine besondere Funktion ist als Begründung nicht plausibel; denn all diese großen Türme dürften Geschütztürme sein — so auch der Turm in Kaunos. Eine zusätzliche besondere Funktion, die die ungewöhnliche Dicke der Mauer erfordert hätte, ist aber nicht ersichtlich. Eine Erklärung für die so imposante Breite der Mauern des Turmes bleibt also noch zu suchen.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, daß der heute sichtbare Bestand zu etwa 70 % aus Spolien besteht, die in annähernd isodomem Verband verlegt sind. Die Wiederverwendung bezeugen Klammerlöcher in etlichen Blöcken, denen im anschließenden Block kein Loch entspricht; oder die unterschiedlich bearbeiteten Oberflächen der Blöcke, zumal benachbarter Blöcke zeigen, daß sie ursprünglich für einen anderen Mauerverband hergerichtet waren; auch die beträchtlichen Formate mancher Blöcke[26] lassen keinen Zweifel daran, daß sie nicht als schlichtes Baumaterial für einen Turm gedacht waren; und schließlich zeigen 10, z.T. große Blöcke noch Reste von Schmuckleisten, die bezeugen, daß diese Mar-mor-Blöcke ursprünglich in aufwendigen, geschmückten Bauwerken Verwendung gefunden hatten und dann hier für diesen Turm genutzt wurden, wobei die Profile meist und weitgehend abgeschlagen wurden. Letzte Zweifel beseitigt ein großer Block mit Profil in der O-Mauer des Turmes, der Reste einer Inschrift zeigt (46 Tf. 3):

) ΟΣ : EPM (οδω) POY : ΜΕΠ (οιησεν)

Auch wenn der letzte erhaltene Buchstabe teilweise zerstört ist, die Lesung nicht ganz sicher ist, scheint es sich am ehesten um den Rest einer Künstler-Signatur zu handeln. Die Blöcke mögen Teil einer Basis gewesen sein, die z.B. ein Weihgeschenk getragen hatte, und die in diesem Turm in Zweitverwendung verbaut worden war. Nach der Form der Buchstaben dürfte die Basis im mittleren 4. Jh. v. Chr. gefertigt worden sein, vielleicht auch noch etwas früher.

Neben den im Turm verbauten profilierten Blöcken sind noch aufschlußreicher die 17 Profil-Fragmente, die vor allem im nordöstlichen Bereich des Turmes innerhalb wie außerhalb der Mauerschalen im Schutt gefunden wurden. Ihre z.T. beträchtlichen Formate lassen auf Herkunft von entsprechend großen Bauwerken schließen; die Unterschiede in Format und Profilverlauf bezeugen, daß es nicht ein einzelnes Bauwerk war, dessen Steine im Turm erneut genutzt wurden; vielmehr ist offenkundig, zumal bei Berücksichtigung der diversen verbauten Profilblöcke, daß eine Vielzahl von Bauwerken und kleineren Denkmälern zu etwa gleichem Zeitpunkt zur weiteren Nutzung ihres Steinmaterials zur Verfügung stand. Einige dieser Bauwerke müssen, wie die entsprechendes Profile 47ff (Tf. 4) zeigen, in klassischer Zeit errichtet worden sein, im einen Fall läßt sich die Entstehungszeit gar aüf die Zeit gegen 400 v. Chr. eingrenzen.

Gegenüber der auffallenden Fülle von Spolien sind jene Quader, die eigens für die Errichtung des Turmes zugehauen zu sein scheinen, nur relativ selten. So sind in der S-Mauer des Turmes in der Außenschale recht gleichförmige Bossenquader verlegt, die daran denken lassen, daß sie hier in ursprünglicher Verwendung liegen. Ihre Auflager sind im hinteren Teil grob gepickt, werden zur Front hin aber glatter im Sinne einer Anathyrose. Dieser Sorgfalt der Arbeit entspricht, daß mehrfach Stemmlöcher angebracht sind. Auf der anderen Seite verwundert, daß die Bossen durchaus unterschiedlich stark ausladen, und daß in einer Schicht drei Binder im Abstand von je einem Läufer aufeinander folgen, daneben aber vier Läufer ohne jeglichen Binder nebeneinander verlegt sind. Die Sorgfalt der Steinmetzarbeit scheint hier im Quaderverband keine Entsprechung zu haben. Ganz ähnliche Bossenquader sind im südlichen Teil der östlichen Außenschale verwendet, und zwar unter dem mächtigen Block der wiederverwendeten Basis 46. Dabei weisen 3 Quader einen sauber geglätteten Randschlag neben ihrer rechten Vertikalfuge auf[27], während zu den übrigen Rändern hin die Bosse bis zur Fuge reicht. Ob die-ser Randschlag als Ecklehre eines Eckblockes zu verstehen ist, ist derzeit nicht zu überprüfen. Es bleibt aber der Verdacht, daß auch diese anscheinend so originären Bossenquader hier nicht in ihrem ursprünglichen Verband verlegt sind, sondern ihrerseits bereits ein 2. Mal genutzt sind. Der Turm bestünde dann — soweit erhalten — fast ausschließlich aus Spolien, — ein erstaunlicher Befund, wenn man bedenkt, wieviel verschiedene Bauwerke für diesen Turm genutzt wurden.

Einige der Spolien (z.B. 46, 48) geben einen Hinweis für ihre eigene zeitliche Einordnung und damit zugleich einen terminus post quem für die Errichtung des Turmes: Erst nach dem mittleren 4. Jh. v. Chr. kann er angelegt worden sein. Daß dieser Zeitpunkt erheblich später anzusetzen ist, legt bereits das Profil 47 nahe. Denn die Korrosion der Oberfläche zeigt, daß es beträchtliche Zeit der Verwitterung ausgesetzt gewesen sein muß. Auch das Format das Turmes ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, da solch stattliche Türme bzw. Geschützbastionen erst in hellenistischer Zeit üblich wurden. Einen noch genaueren chronologischen Hinweis gibt schließlich der Fund der rhodischen Weinamphora 59, die in der SW — Innenecke des Turmes ganz nahe der Innenschale geborgen wurde. Zwar gerissen hatte sie doch dem Druck des lehmigen Erdreiches standgehalten, war also offensichtlich unversehrt an dieser Stelle liegen geblieben. Die Stempel ihrer Henkel beweisen, daß die Amphora gegen die Mitte des 3. Jh. v. Chr. hergestellt wurde, und so mag sie nicht allzu lange danach an ihren Fundort gelangt sein. Geht man davon aus, daß solche Amphoren zunächst als Weinbehälter und anschließend z.B. als Wasserkrug genutzt wurden, dann müßte der mächtige Geschützturm etwa im Laufe der beiden folgenden Jahrzehnte nach 250 v. Chr. entstanden sein[28].

Für die Deutung des Befundes an der S-Bastion, die auffällige Verwendung der vielen Spolien sowie für die Frage der Datierung ist der Befund der östlichen Verbindungsmauer zum Kleinen-Akropolis-Gipfel aufschlußreich. Auch hier sind, wie unschwer zu erkennen ist, zahlreiche Spolien in der Außenschale verbaut worden. Darunter befinden sich wieder mit Profilen ausgestattete Blöcke, und wenig unterhalb der Mauer wurden am Hang abgeschlagene Fragmente solcher Schmuckleisten gefunden (55ff Tf. 50. Insofern entspricht der Befund dem der S-Bastion durchaus. Indessen fallt auf, daß mehrfach in den isodomen Quaderver-band auch polygonale Blöcke eingefügt sind, die den Horizontalen und Vertikalen der anschließenden Quader annähernd angepaßt sind. Noch erstaunlicher ist allerdings, daß die Innenschale der Mauer, soweit im Gelande erkannbar, weitgehend aus Polygonen besteht. Eine fast 2,5 m lange Sondage unmittelbar nördlich der S-Bastion zeigt zudem, daß diese Innenschale bis zu einer Tiefe von ca. 2 m einheitlich aus großen Polygonal-Blöcken gefügt ist, wogegen die anschließende N-Mauer der Bastion hier nur aus fein gearbeiteten Spolien-Quadern besteht[29].

Der zur Zeit erkennbare Befund der östlichen Verbindungsmauer deutet darauf, daß die Außenschale mit Hilfe von Spolien und Polygonalblöcken errichtet wurde, mithin eine Restaurierung darstellt, wogegen die Innenschale — zmindest weitgehend — aus Polygonen besteht. Demnach scheint diese Innenschale kaum oder gamicht zerstört worden zu sein, was umgekehrt gerade für die Außenschale zutrifft: Sie scheint eingestürzt und anschließend mit wiederverwendetem Steinmaterial renoviert worden zu sein, wobei auch einige polygonale Blöcke über Quaderschichten Verwendung fanden[30]. Dieser Unterschied zwischen Außen — und Innenschale läßt vermuten, daß als Ursache der Zerstörung nicht etwa Feindeshand anzunehmen ist: Ein Eroberer hätte kaum auf lange Strecke hin (über 40 m) die Außenschale einer Mauer eingerissen, die Innenschale aber unberührt gelassen. So drängt sich die Vermutung auf, daß nicht menschliche Einwirkung die Zerstörung verursacht hat, sondern ein Naturereignis wie ein Erdbeden. Ein solches Ereignis könnte erklären, wie es zu der teilweisen Zerstörung der östlichen Verbindungsmauer kam; denn gerade die frei stehende Außenschale war bei einem Erdbeden stärker gefährdet, wogegen die Innenschale von der Erde der hinterfüllenden Terrassierung bis zu einem gewissen Grade gehalten wurde. Ein solches Erdbeben bietet auch eine naheliegende Erklärung für die Weitläufigkeit der Zerstörung, wie sie durch die Vielzahl der verschiedenen Spolien zu erschließen ist; dazu müssen etliche der in der S-Bastion, d.h. außerhalb des Siedlunggebietes verbauten Spolien von größeren, repräsentativen Bauten stammen, die vor allem innerhalb der Stadt zu suchen sind, d.h. in beträchtlicher Entfernung. Schließlich könnte ein solches Erdbeden auch zur Erklärung der ungewöhnlichen Mauerstärke des Turmes beitragen. Denn die Erfahrung dieser Katastrophe mag die Kaunier veranlaßt haben, breite Mauern mit reichlicher Stein-Lehmfüllung zu errichten, da solche Hinterfüllung sich als stabilisierend erwiesen hatte.

So mag die Vermutung gerechtfertigt sein, daß ein Erdbeben Ursache einer weitläufigen Zerstörung der Stadt Kaunos war und damit zu einem hastigen Wiederaufbau führte; dabei wurde das plötzlich verfügbare, zum guten Teil wohl geborstene Steinmaterial der öffentlichen Bauten weitgehend genutzt. Diese Vermutung findet eine unerwartete Stütze in dem erwähnten Fund der rhodischen Weinamphora. Denn sie muß in den Jahren nach 250 v.Chr. unter die Erde gekommen sein, und gerade für diese Zeit ist ein besonders starkes Erdbeden in dieser Region überliefert: Das Erdbeben von 227/6 v.Chr., das vor allem die Stadt Rhodos heimsuchte. Dort stürzte nicht nur der berühmte Koloß ein, vielmehr wurden sogar die Stadtmauern und die Schiffshäuser “weitestgehend” zerstört, wie Polybios (V 88f) berichtet. Bedenkt man die geographische Situation, d.h. die Nähe der beiden Städte Kaunos und Rhodos (Luftlinie ca. 55 km) sowie den Verlauf der Gebirgszüge, dazu die mutmaßliche Intensität jenes Bebens, dann kann kaum ein Zweifel bestehen, daß es damals auch in Kaunos zu erheblichen Schäden gekommen sein muß. Im Zuge der anschließenden Wiederaufbau-Arbeiten wurde offenbar die S-Bastion rasch und unter besonderer Verwendung von Spolien errichtet-lag sie doch auf exponierter Anhöhe, gerade dem näher kommenden Seefahrer schon von weitem sichtbares erstes Bollwerk der Stadt Kaunos, geeignet, die Wehrfähigkeit des Gemeinwesens zu signalisieren.

Mauerbereich IV (W-Fort; Abb. 5 und 6).

In diesem Abschnitt sind zwei eng benachbarte Areale zusammengefaßt, die nur oberflächlich gereinigt wurden, um den Verlauf der Mauerzüge für die geodätische Aufnahme zu klären.

Westlich des Hafens erhebt sich eine Anhöhe von ca. 100 m Länge, die zum Hafen und zur Hafeneinfahrt hin weitgehend senkrecht abbricht. Nach W und SW hin fällt der Hang steil ab, nur nach N bildet sich ein schmaler, weniger geneigter Sattel, der zum W-Tor führt. Der fast 40 m hohe Hügel wird nach SW und W hin von einer mächtigen Polygonalmauer gefaßt, die am Steilhang knapp unterhalb der Scheitelhöhe verlegt ist, weitgehend noch über 2 m aufrecht steht, mit Erdreich hinterfüllt ist und so die natürliche Anhöhe im Sinne eines ca. 15-17 m breiten, langgestreckten Plateaus erweitert.

Auf der höchsten Erhebung des Hügels zeichneten sich zwei parallel geführte Mauern ab (Abb. 5), die im rechten Winkel zur westlichen Polygonalmauer quer über die Anhöhe nach SO laufen. Die Reinigung erbrachte, daß die etwa 2,80 m breite Polygonalmauer im W an dieser Stelle in einer Länge von etwas über 10 m durch eine 1,77 m breite isodome Zweischalenmauer ersetzt ist, die am nördlichen und südlichen Ende jeweils rechtwinklig umbiegt und sich in den genannten parallel geführten Mauern quer über den Hügel hinzieht. Nach etwa 6 m folgt eine nur 1,20 m breite Quermauer, die also ein Geviert von ca. 6,60 X 6,00 m abschließt. Die ca. 1,80 m breiten Parallelmauem setzen sich jedoch weiter nach SO fort; Abarbeitungen im Fels am Rande des östlichen Plateau-Abbruches zeigen, daß sich die Parallelmauem quer über das ganze Plateau hinzogen: Offensichtlich war hier ein Sperrfort auf der Hügelkuppe eingebaut worden, das den SW-Teil des Plateaus im Sinne einer eigenen Festung abschloß.

Weiter südlich finden sich nahe dem Felsabbruch Felsabarbeitungen, die vermuten lassen, daß das W-Fort auch nach SO, d.h. zum Hafen hin mit einer Mauer über dem Steilhang versehen war, einer Mauer, die wohl das ganze Plateau in seiner Längsrichtung entlang lief. An etlichen Stellen scheinen solche Mauerbettungen mit abgebrochenen Felspartien verloren gegangen zu sein. Wichtig erscheinen diese Beobachtungen im Hinblick auf den Querriegel des Sperrforts. Denn auch hier dürfte eine östliche Mauer existiert haben. Sie mag den östlichen Teil des ummauerten Areals im Sinne eines offenen Hofes abgeschlossen haben, von dem der westliche fast quadratische Teil durch eine Quermauer abgetrennt war: Vielleicht erhob sich hier auf dem Gipfel des W-Forts unmittelbar hinter der Mauerlinie ein Turm, der einen optimalen Blick bot über Hafen, Hafeneinfahrt und die Bucht davor, über die Küstenebene und die anschließenden Vorhöhen des heutigen Dorfes Candir sowie über weite Strecken der W-Mauer und ihr Vorgelände.

Die Mauern des Sperrforts bestehen aus isodomen Quadern; ihre Schichthöhe liegt bei 0,42 m, vereinzelt sind die extremen Werte von 0,45 und 0,38 m. Soweit erkennbar, sind Binder in der westlichen Außenmauer häufiger verwendet, bei den Innenmauem dagegen seltener. Die Quader sind in der Regel kräftig bossiert, ein Randschlag fehlt. An den beiden westlichen Ecken sind breite Ecklehren ausgearbeitet. Die Auflager sind in der Regel im hinteren Teil grob gepickt, zur Front hin wird die Arbeit sorgfältiger, die Fläche etwas glatter. Mehrfach, doch bei weitem nicht regelmäßig sind Stemmlöcher eingearbeitet. Nur einmal, in der südlichen Mauer gibt sich ein Quader aufgrund seines Materials, weißer Marmor, und aufgrund seiner geglätteten Oberfläche als Spolie zu erkennen.

Knapp 2,4 m südlich des Sperrforts befindet sich in der Stadtmauer ein Durchgang, freilich nur in wenigen Steinlagen und Felsabarbeitungen erkennbar. Zumal die Außenseite der Pforte ist stark zerstört. Dennoch reichen die Reste aus, um ein Bild zu vermitteln. Demnach veijüngt sich der Durchgang von einer inneren Weite von 1,35 m auf ca. 1,1 m in Flucht der Außenschale. Das Türgewände ist aus größeren und kleineren Quadern sorgfältig geschichtet, wobei offensichtlich auf regelmäßige Quaderhöhen verzichtet wurde, durchlaufende Horizonalfugen aber angestrebt sind[31]. Nördlich der Pforte ist isodomer Verband weitgehend eingehalten, südlich von ihr setzt sich dagegen die polygonale Bauweise fort. Demnach wird man annehmen dürfen, daß Pforte und Sperrfort gleichzeitig ange-legt wurden; vorher, als das Plateau der Anhöhe noch nicht unterteilt war, dürfte eine Pforte an dieser Stelle kaum erforderlich gewesen sein.

Im Süden der Anhöhe biegt die gut erhaltene Polygonal mau er in mehrfach geknickter Führung nach SO um. Gerade dort, wo sie sich am weitesten nach W vorschiebt, ist am steilen Hang eine mächtige Bastion angefügt, die sich über 30 m weit nach W vorbaut (Abb· 6). Zunächst ist es ein ca. 16 m langer und etwa 8,70 m ‘schmaler’ Hals, der sich dann beidseitig um etwa 2,10 m zur eigentlichen Bastion verbreitert, die mit ihren äußeren Maßen von 13,20 X 14,70 m die Dimensionen der S-Bastion noch übertrifft. Dabei erhebt sich ihre westliche Mauer noch heute um mehr als 5 m über den steil abfallenden Hang.

Soweit die partielle Reinigung erkennen ließ, ist die W-Mauer der SW-Bastion mit etwa 2,60 m Dicke die mächtigste Mauer der Anlage; die anschließende N — bzw. S-Mauer der Bastion ist um ca. 0,7 m schmaler, und die Mauern des Bastion-Halses sind nochmals schmaler, messen nur etwa 1,70. Offenkundig ist, daß diese Unterschiede wohl kalkuliert der geographischen Situation (Schub des Erdreiches) ebenso Rechnung tragen wie der funktionalen Beanspruchung: Die ca. 9,30 X 10,0 m weite Innenfläche der vorgeschobenen Bastion diente sicherlich weit-reichenden Katapulten; des Rückstoßes wegen war besondere Stabilität er-forderlich und Gleiches erforderte die Bastion als vorgeschobenes Angriffsziel. Die Verbindung zum rückwärtigen Hügel konnte dagegen ökonomischer errichtet werden.

Wie der Zugang zum W-Fort gestaltet war, ist unklar, da zuwenig erhalten ist. Offenkundig aber ist, daß auch die SW-Bastion ähnlich dem Sperrfort auf der Hügelmitte nachträglich der polygonalen Befestigungsanlage zugePügt wurde, vermutlich zur gleichen Zeit. Denn wie dort sind kräftig bossierte Quader isodom verlegt, ihre Auflager sind ähnlich bearbeitet, und ebenso sind nur vereinzelt Spolien auszumachen. Stemmlöcher scheinen noch seltener angebracht zu sein, und die Höhe der Quaderschichten scheint weniger einheitlich zu sein, zugleich im Durchschnitt ein paar Zentimeter mehr zu betragen. Dennoch liegt es nahe SW-Bastion und Sperrfort auf der Anhöhe der gleichen Bauphase zuzuweisen. Mit ih-nen wird das W-Fort nicht nur deutlich verstärkt als Befestigungsanlage; vielmehr trägt dieser Ausbau offenbar zum einen dem Fortschritt der Militärtechnik Rechnung — weiter reichende Geschütze —, zum anderen wohl auch geographischen Veränderungen. Denn wenn fortschreitende Verlandung auch die Bucht von Candir weiter hinausschob und die Küstenebene verbreiterte, dann bot sich hier dem potentiellen Gegner ein besseres Aufmarschgelände, das einzusehen und mit Geschossen zu bestreichen die neuen Befestigungen des W-Forts bestens geeignet waren. Wann diese Maßnahmen notwendig wurden, dafür ergab sich bei der Reinigung kein konkreter Hinweis. Die Verwendung einzelner Spolien läßt zwar an die Situation der S-Bastion (MB III) denken, doch sind diese Spolien zu selten, um ein überzeugendes Indiz abzugeben.

Mauerbereich V (W-Tor-Anlage; Abb. 7).

Nördlich des W-Forts liegt der letzte bislang untersuchte Abschnitt, der zugleich der umfangreichste und komplizierteste Bereich ist, die W-Tor-Anlage. Sie besteht aus dem W-Tor selbst, einem flankierenden Turm im Norden (Turm I) und einer westlich vorgeschobenen Bastion (W-Tor-Bastion); diese umschließt ihrerseits einen sorgfältig gebauten, kleineren Turm (Turm II), dessen Mauern noch heute bis zu 2 m höher anstehen als die Außenmauem der umgebenden Bastion, die ihrerseits an der SW-Ecke noch mehr als 3 m über das heutige Niveau hinausragt.

Reinigungen and Sondagen an mehreren Stellen klärten den Befund. Westlich des Stadttores biegt die Stadtmauer fast genau rechtwinklig nach N um. An dieser Stelle erhebt sich ein stattlicher Turm von 6,75 X 6,6 m[32], der im W 4,4 m vor die Mauerflucht vorragt, im S nur 1,4 m. Die 1,0 bis 1,1 m starken Mauern umschließen einen Innenraum von 4,4, X 4,7 m, der von O her durch eine 1,4 m weite Tür zugänglich war. Im N schließt die 2 m starke Stadtmauer an, wobei ihre polygonale Innenschale unmittelbar in die Außenschale der östlichen Turmmauer übergeht. Auch die Außenschale der polygonalen Stadtmauer bindet in die Nord-mauer des Turmes unmittelbar ein, und gleiches gilt für die 1,10 m breite Polygonalmauer, die gleich südlich der Turmtür anschließt und nach O zum Torturm I führt.

Die beiden Wangen der Turmtüre, aus unterschiedlich hohen, horizontal ausgerichteten Quaderschichten gefügt, haben sich bis 2,50 m Höhe gut erhalten. Auf dem Niveau 24,15 m ist die Schwelle erhalten[33], womit der alte Gehhorizont gesichert ist. Im Turminneren schließt in gleicher Höhe ein gestampfter Lehmestrich an, der sich durch graue Farbe und sehr kleine Steine deutlich von der darüberliegenden Schicht mit ihren mittelgroßen Steinen und ihrer braunen Erde unterscheidet. Der Gehhorizont vor der Turmtür mag etwas tiefer gelegen haben, vielleicht um eine Stufen höhe versetzt, ist aber bisher nicht ergraben.

Die gut erhaltenen Wangen zeigen keinerlei Vorrichtung für einen Verschluß. Die obersten Steinlagen enden beidseitig auf fast genau gleichem Niveau und dienten demnach vermutlich als Auflager für den Türsturz. Die Höhe der erhaltenen Türöffnung von 2,50 m kommt einer solchen Vermutung durchaus entgegen[34]. Demzufolge wäre das Untergeschoß des Turmes beinahe ganz erhalten. Allerdings sind keine Vorrichtungen für eine Decke erhalten (Balkenlöcher oder Mauerrücksprung), sie wären in etwas höherem Niveau allenfalls zu vermuten.

Es bleibt noch ein Hinweis zum Mauerverband und zur Bearbeitung der Steine. Stadtmauer und Turm sind aus polygonalen Blöcken gefügt. Allerdings sind die freistehenden Ecken des Turmes sowie die Türwangen unter Beachtung horizontaler Fugen gearbeitet; die Stoßfugen der Blöcke sind in diesen Bereichen überwiegend vertikal, doch gibt es auch leicht schräg geschnittene Fugen, die umgekehrt in den mittleren Abschnitten der Turmmauem überwiegen. Die nördlich des Turmes anschließende Polygonalmauer ist, soweit freigelegt, aus großen, bossierten Polygonen sehr dicht gefugt, wobei auffallend große, aber auch auffallend kleine Blöcke bzw. Steine verwendet sind. Am Turm sowie an der östlich anscli- eßenden Stadtmauer scheint das Steinmaterial einheitlicher im Format zu sein; andererseits gibt es neben flach bossierten Blöcken auch solche, bei denen die Bosse stark und abrupt vortritt; und es gibt immer wieder Blöcke, die einen Randschlag aufweisen: Zum Rand der Blöcke hin ist mit dem Spitzeisen in lockeren Schlägen die Bosse abgenommen, so daß ein 4 bis 5 cm breiter Randschlag entstand; er ist nicht durchgehend plan, ist auch nicht geglättet, sondern ist in fast dekorativer Weise nur angedeutet. Bezeichnend sind dabei die in lockeren Abständen meist vertikal zum Blockrand gerichteten Furchen des Spitzmeißels. Auffallend regelmässig ßig sind in dieser Weise die Eckblöcke bearbeitet, die mehrfach auch reguläre Quader sind, häufig die kräftig vortretende Bosse aufweisen und die durchgehende, sorgfältig geschnittene Lotkante zeigen. Insofern scheinen Unterschiede zur nördlich anschließenden Stadtmauer unver-kennbar zu sein, — ohne daß eine bündige Erklärung auf der Hand läge. Wichtig ist noch, daß die östlich anschließende Stadtmauer in der Bearbeitung ihrer Blöcke dem Turm ähnlicher ist als der nördlichen Stadtmauer.

Diesen Turm ummantelt eine gewaltige Bastion. Im S ist ihre Mauer in einem Abstand von 3,6 m vor der südlichen Turmmauer verlegt; im O beträgt dieser Abstand 2,65 m, im W gar 4,3 m und im N vergrößert sich dieser Abstand von 3,2 m (vor der polygonalen Stadtmauer) auf 3,5 m im W. So ergibt sich mit den stattlichen Maßen von ca. 13,70 m im S und W eine fast 4 mal so große Befestigung gegenüber dem kleinen Turm. Der Zwischenraum dieser beträchtlichen Erweiterung scheint mit Hilfe von Zwischenmauern versteift worden zu sein, die in orthogonalem Raster geführt Quadranten ergeben, die mit einer Stein-Lehm-Packung aufgefüllt sind.

Die Außenmauem bestehen aus z.T. auffallend großen Quadern, die aufs Ganze offenbar isodom verlegt sind. Freillich weisen manche Horizontalfugen ‘Treppen’ auf, da die Quaderhöhen gelegentlich in einer Schicht springen. Binder, erkennbar an ihrer schmalen Stirn, sind reichlich verwendet, doch offenbar nicht in strikter Regelmäßigkeit.

Eine Sondage im Zwickel zwischen Bastion-N-Mauer und polygonaler Stadtmauer lehrt, daß die isodome Bastion an den polygonalen Bestand angebaut wurde. Mehrfach wurden dabei die Bossen der Mauer-Polygone sorgfältig abgearbeitet, um die Quader der Bastionmauer möglichst dicht und unverrückbar heranzuschieben. An dem zeitlichen Verhältnis der beiden Mauern kann demnach kein Zweifel sein, und dies gilt folglich auch für das zeitliche Nacheinander von kleinem, ummauertem Turm und der umgebenden Bastion. Dennoch liegt der Mauerfuß der Bastion in der besagten Sondage tiefer, wenig mehr als 0,5 m unter dem der älteren, polygonalen Stadtmauer daneben, wobei der Fundamentgraben in den anstehenden Fels getrieben wurde. Der Grund dafür dürfte sein, daß bei Er-richtung der Bastion in besonderer Weise auf Stabilität geachtet wurde. Diesem Zweck dienen das sorgfältige Anfügen der Bastion an die Stadtmauer, die Verwendung auffällig großer Quader[35], die Aussteifung der Erweiterung durch sich kreuzende Innenmauem und nicht zuletzt die Größe und Massivität der ganzen Bastion.

In diesem Zusammenhang ist der Befund im Inneren des kleinen Turmes aufschlußreich. Denn über dem Estrich des Innenraumes folgt eine ca. 20 cm hohe Schicht mittelgroßer Steine und brauner Erde, darüber eine fast reine Lehmschicht von wiederum ca. 20 cm Höhe, in der nur vereinzelt kleine Steine lagen; darüber lag bis zur rezenten Humusschicht eine einheitliche Packung großer und mittelgroßer roher Steine, die auffällig locker gepackt waren; denn mit zunehmender Tiefe wa-ren immer häufiger Hohlräume zwischen den Steinen zu beobachten, die sich offenbar im oberen Teil im Laufe der Zeit durch nachsickemde Erde gelullt hatten. Der Befund zeigt, daß der Turm im Inneren planmäßig und in einem Zuge mit der Steinpackung aufgefüllt worden war. Diesen Eindruck bestätigt noch eine Einzelheit. Denn in die Türöffnung waren zuoberst eine Reihe besonders großer, länglicher Steine dicht bei dicht gepackt worden; sie sollten offensichtlich die Türöffnung im oberen Teil verschließen und verhindern, daß die Packung herausrutschen konnte.

Diese sorgfältig eingebrachte Packung diente offenbar einem konkreten Zweck, der im Ansatz noch zu erkennen ist. Denn im Turminneren sind zuoberst auf der Steinpackung 11 mächtige polygonale Steinblöcke verlegt, die mit ihren leicht unregelmäßigen Fronten ein nordsüdlich orientierte Rechteck von ca. 3,50 X 2 m beschreiben; dies ist seinerseits ziemlich mittig in das Turminnere plaziert und bis auf die SO-Ecke gut erhalten. In seinem Inneren fehlen entsprechend große Blöcke fast ganz, erhalten sind vor allem kleinere Steine. Die Reinigung westlich dieses Rechteckes zeigte, daß die heutige Oberfläche der Steinpackung als unregel-mäßige Fläche nach S abfällt, d.h. keinen Gehhorizont bildet. Dieser Folgerung entspricht, daß der Raum zwischen Rechteck und N- bzw. S-Mauer des Turmes so schmal ist, daß er kein Durchgang war. Der heutige Befund stellt demnach keinen beabsichtigten Zustand dar, sondern war durch weitere Anschüttung verborgen. Entsprechend läßt sich die rechteckige Steinsetzung als Fundamentierung verstehen. Bezogen auf die zweite Phase der Anlage, auf die Bastion könnte sie eine Mittelstütze getragen haben: Vermutlich lagen auf diesem breiten, mächtigen Fundament Quader, die ihrerseits eine Balkenkonstruktion getragen haben mögen; sie dürfte als Mittelstütze die Dachkonstruktion eines großräumigen Geschosses getragen haben, in dem die Katapulte aufgestellt waren[36]. Der höchste Punkt der heute noch anstehenden Turm-N-Mauer (bei 28,05 m), der 0,6 m höher liegt als die Rechteck-Fundamentierung, dürfte dann dem antiken Gehhorizont der Bastion-Plattform ungefähr entsprochen haben bzw. nahe gelegen haben.

Die Notwendigkeit, die Türöffnung des Turmes in der beschriebenen Weise sorgfältig zu verschließen, ergab sich dadurch, daß östlich vor dem Turm der Gehhorizont tiefer liegt. Zwar wurde auch hier wie im Turminneren eine Steinpackung eingebracht, doch reichte sie nur bis zu einer Höhe von 1,68 m über der Schwelle. In diesem Niveau (25,83 m) wurde eine Art Plattform nachgewiesen, die von der W-Bastion entlang der schmalen Polygonalmauer zum Turm I fuhrt, der das W-Tor unmittelbar flankiert. Im N wird diese Plattform begrenzt bzw. gestützt durch eine Mauer, die im O und W in kleinen Sondagen nachgewiesen ist, im O bis zu einer Tiefe von über 2 m[37]. Die Oberfläche dieser Plattform ist durch kleinere, unregelmäßige Steinplatten abgeschlossen, die in einem feinen Lehmestrich verlegt bzw. z.T. mit ihm verstrichen sind. Nach O hin scheint dieser Gehhorizont ein wenig anzusteigen.

Wichtiger ist indessen, daß diese ca. 2,70 m breite Plattform im W eine Fortsetzung findet, und zwar in einer 1,9 bis 2 m breiten Terrasse, die unmittelbar hinter der polygonalen Stadtmauer entlang nach N läuft und deren Breite genau verdoppelt. Wäre sicher, daß diese Terrasse die gleiche Hohe erreichte wie die alte Polygonalmauer, dann wäre sie als Erweiterungsmauer anzusprechen; doch ist vorläufig auch damit zu rechnen, daß sie nur wie ein Laufsteg in bescheidenerer Höhe hinter der Stadmauer entlang lief, sei es als stabilisierende Stützterrasse, sei es als Verbesserung des Versorgungsweges unmittelbar hinter der Mauer. Indessen bleibt das Problem, daß keine dieser Möglichkeiten unmittelbar plausibel ist: Denn militärtechnisch macht die Verdoppelung der Mauerbreite wenig Sinn, und die Verbesserung des Versorgungswesens durch einen niedrigeren, parallel verlaufenden ‘Laufsteg’ bliebe vorerst wohl ein singulärer Fall; die Möglichkeit einer stabilisierenden Maßnahme bedürfte aber einer konkreten Begründung.

Die Grabung in der Tür des alten Turmes II zeigte, daß die Steinpackung innerhalb des Turmes gleichzeitig eingebracht wurde mit der Anlage der Terrassierungen östlich des Turmes bzw. hinter der Stadmauer. Wie dabei der Zugang von dieser stadtseitigen Plattform zum mindestens 2,2 m höher gelegenen Gehhorizont der W-Bastion gewährleistet war, ist freilich bislang unklar. Dennoch kann kein Zweifel daran sein, daß die erweiternde W-Bastion, die Auffüllung des alten Turmes II, die Plattform zwischen W-Bastion und Turm I und die ‘Erweiterung’ der alten Stadtmauer als eine Maßnahme zu verstehen sind. Denn im Gegensatz zum polygonalen Mauerverband des alten Turmes II und der einbindenden alten Stadtmauer sind die Mauern der W-Bastion und der beschriebenen Terrassen bzw. Plattformen hinter der Stadtmauer in isodomer Bauweise ausgeführt[38]. Hinzu kommt als noch wichtigeres Merkmal, daß in beiden Fällen Spolien verwendet sind. Offenkundig ist dies an der SW-Ecke der W-Bastion, wo unter 5 Schichten rustizierter Quader 4 Schichten sorgfaltig geglätteter Marmorquader verlegt sind, darunter 2 Blöcke vom Grabmal eines Arkaders aus Pheneos (62 Tf. 7). Unmittelbar vor diesem Mauerabschnitt wurden im Erdreich zahlreiche Fragmente von Schmuckieisten gefunden, z.T. noch mit Farbresten erhalten, die offenbar bei Wiederverwendung der Blöcke abgeschlagen und einfach fallen gelassen wurden[39]. Ganz entsprechend war der Befund in der kleinen Sondage östlich der Bastion, dort, wo jene Plattform sich teilt und nach O bzw. N führt. Denn trotz der geringen Fläche und Tiefe der Sondage ist der Nachweis von Spolien im Mauerwerk gelungen, und ebenso wurden im Erdreich davor Fragmente einer abgeschlagenen Schmuckleiste gefunden (64).

So deuten in der Tat alle Anzeichen darauf hin, daß hier zwei Phasen der Befestigung klar zu scheiden sind: Die ältere, kleine, fast schmalbrüstige Anlage des Turmes II mit der anschließenden Stadtmauer in polygonaler Steinfügung wurde zu einem späteren Zeitpunkt erweitert durch die ummantelnde W-Bastion, die ergänzende Plattform im O und die ‘Verdoppelung’ der Stadtmauer, dabei wurde der isodome Quaderverband für die neuen Außenmauem verwendet, und es wurde Steinmaterial älterer Denkmäler als Spolien genutzt. Vor allem letztere Maßnahme erinnert an den Befund im Mauerbereich III südlich der Kleinen Akropolis und läßt fragen, ob hier ein Zusammenhang besteht. Denkbar wäre immerhin, daß in beiden Bereichen zu etwa gleicher Zeit verfügbares Spoli- enmaterial verbaut wurde, daß mithin auch die erweiternden Baumaßnahmen an der W-Tor-Anlage erst nach der Erdbebenkatastrophe von 227/6 V. Chr. erfolgten.

Anders als an der W-Bastion, wo sich zwei unterschiedliche Bauphasen eindeutig scheiden lassen, ist der Befund im übrigen Bereich der W-Tor-Anlage unklarer. Die von der W-Bastion bzw. vom älteren Turm II nach O führende schmale Polygonalmauer bindet in den Turm I nördlich des Tores nahtlos ein. Ebenso binden die Schalen der nördlichen Torwange unmittelbar in den polygonalen Steinverband des Turmes ein; dabei ist der südliche Teil dieser Torwange — soweit erhalten — aus mächtigen Quadern gefügt, die eine kräftige Bosse mit breitem, glattem Randschlag aufweisen. Nur im Tordurchgang ist auf diese ‘rustikale’ Bearbeitung verzichtet; stattdessen sind die Quaderflächen geebnet und mit tiefen parallelen Furchen versehen, die über eine längere Strecke hin gerade oder auch gebogen verlaufen, gelegentlich kantig abbiegen oder von einer entsprechend gegliederten, aber quer oder schräg orientierten Fläche unterbrochen werden: Wie wenn mit einem übergroßen Zahneisen die Fläche in lockeren Schlägen dekorativ scharriert wäre.

Östlich des Turmes ist ein rechteckiger, nur noch niedrig erhaltener Anbau angefügt. Seine Mauern sind aus kleineren Quadern gefügt, und mehrfach sind fein geglättete Marmorquader, also Spolien verwendet; offenkundig ist, daß seine Mauern nicht in die Turmmauer einbinden, sondern nur angefügt sind. Gleiches gilt für die oben bereits erwähnte Mauer, die die Plattform zwischen den Türmen I und 11 im N begrenzt; auch sie stößt an die W-Mauer des Turmes 1 lediglich an. In Entsprechung zur Baugeschichte des Turmes II bzw. der W-Bastion ist zu vermuten, daß Turm I einer älteren Phase angehört, der des Turmes II, und daß der östliche Anbau und die Plattform zwischen beiden Türmen (und der W-Bastion) gleichzeitig errichtet wurde. Die erhaltene Toranlage wäre dann ebenfalls der älteren Phase zuzweisen.

Erstaunlich sind indessen die Gestaltung der mächtigen Quader der nördlichen Torwange, ihr breiter und sorgsam geglätteter Randschlag, die abrupt und stark vortretenden Bossen der Quaderspiegel und die klare isodome Fügung der Quader. Der Unterschied zur Gestaltung der Türme und Stadtmauer ist offensichtlich. Sollten diese Unterschiede allein darauf zurückzuführen sein, daß es sich hier um ein wichtiges Stadt-Tor handelt, das auch durch seine formale Gestaltung gegenüber den umgebenden Mauern und Türmen hervorgehoben werden sollte? Oder sind jene sichtbaren Unterschiede nicht doch tiefer begründet, ohne daß derzeit weitere Anhaltspunkte erkennbar wären?

Gravierender sind die Merkwürdigkeiten an der N-Mauer des Turmes 1. Denn hier führt eine Tür ins Turminnere, — eine Tür, deren Schwelle recht grob mit dem Spitzeisen in die Blöcke der bereits vorhandenen Polygonalmauer geschlagen wurde. Entsprechend wurde auch der unterste Block der östlichen Türwange bearbeitet, wogegen die beiden Quader der westlichen Wange auffallend reguläre Quader sind und an ihren orthogonalen Kanten weitgehend jenen kursorischen Randschlag aufweisen, der schon an Turm II begegnete, der aber den Blöcken unterhalb des Schwellen-Niveaus in der Turm-N-Wand fehlt. Schließlich bleibt zu erwähnen, daß ca. 0,25 m tiefer vor der Schwelle Reste eines Plattenpflastern ergraben wurden, das offenbar den Zugang zur Tür bildete[40]; die Turm wand selbst setzt sich indessen weiter in die Tiefe fort, wie eine Soundage vor dem westlichen Teil der N-Wand zeigte: Zwei annähernd horizontal ausgerichtete Steinschichten folgen noch unter der Schwelle in gleicher Flucht, darunter kam eine Steinsetzung von 3 rohen Polygonen zutage, die in schräger Linie bis zu 0,30 m vor die Mauerllucht vortreten (Höhenpunkt 23,30). Mag es sich dabei um eine Fundamentierung handeln oder um Reste eines älteren Bauwerkes, — es bleibt der Eindruck, daß die vorhandene Tür nachträglich in die Mauer eingebaut wurde, an einer Stelle, die nicht von vornherein dafür bestimmt war, und die keinen Bezug zum Mauerfuß erkennen läßt.

Zu den Merkwürdigkeiten des Turmes I gehört schließlich noch ein Befund der O-Mauer[41]. Der über den östlichen Anbau nach N hinausreichende Mauerteil besteht aus auffallend großen Blöcken, die weitgehend als reguläre und sehr große Quader gearbeitet sind. So gut wie regelmässig zeigen sie jenen kursorisch-groben Randschlag, und sie weisen mehrfach ungewöhnlich kräftig bossierte Spiegel auf. Hinzu kommt, daß gerade dieser Teil nach N verrutscht ist, so daß bis zu 10 cm breite Fugen klaffen. Folgt man dem Verlauf dieser Figen nach unten, so trifft man ziemlich genau auf jene Stelle, wo die N-Mauer des Anbaues an die Turmwand anstößt. Dort stoßen zwei Blöcke der untersten Lage mit ihren oberen Ecken aneinander, bilden aber nach unten eine klaffende Lücke, in der ein flacker Stein fest eingekeilt war und ein gutes Stück (fast 0,15 m) vorragte. Derartige Keilsteine, zumal stark vorstehende sind ansonsten in diesem Mauerwerk ungewöhnlich. Hinzu kommt, daß unmittelbar anschließend in der N-Mauer des Anbaues ein sehr kleiner Stein eingelugt ist, — fast könnte man von einem schlichten Feldstein sprechen. Auch dies ist eine augenfällige Merkwüdigkeit. Der Gedanke liegt nahe, alle Eigenheiten im Zusammenhang zu sehen: Die beiden ungewöhnlichen Steine wurden gleichzeitig als Flicksteine eingefugt; dies würde bedeuten, daß der nördliche Teil der Turm-Mauer gleichzeitig mit dem Anbau errichtet wurde, wohl im Sinne einer Renovierung nach einer Zerstörung. Dabei wären im Unterschied zum älteren Bestand nun vor allem auch reguläre Quader mit Randschlag und Bosse verwendet worden.

Die Besonderheiten der Quader am Tor, die Eigentümlichkeiten der Tür in der N-Mauer des Turmes und die Merkwürdigkeit des nördlichen Abschnittes der O-Mauer ergänzen sich nicht zu einer schlüssigen Indizien- kette. Dennoch muß man sich fragen, ob der derzeit sichtbare Bestand des Turmes I wirklich einer einzigen Bauphase zuzuweisen ist, oder ob nicht mit teilweiser Zerstörung und nachfolgendem partiellem Wiederaufbau zu rechnen ist. In diese gleiche Richtung scheinen auch die nicht allzu zahlreichen Keramikfunde und die Schichtbefunde zu weisen.

Zunächst sei jedoch der Vollständigkeit halber noch das Tor kurz beschrieben, dessen Wangen bereits erwähnt wurden. In Flucht der äußeren Mauerschale ist ein gewaltiger Schwellstein verlegt, der sich wohl über die ganze Breite der ToröfTnung von 2,14 m erstreckt, und beidseitig an die Torwangen anstößt (so im N der ergrabene Befund). Die Vorderseite der Schwelle ist grob gepickt, mit Randschlag versehen und weist — vermutlich zwei — kräftige Hebebossen auf. Die insgesamt 0,69 m breite Schwelle ist im hinteren, 0,22 m breiten Streifen um fast 4 cm tiefer gelegt. In diesem Streifen liegen unmittelbar hinter den Ecken der Türwangen die Vertiefungen für die Türangeln. Hinter (östlich) der Schwelle folgt eine Stufe von ca. 0,20 m Höhe, die zur eigentlichen Torkammer führt[42]. Diese ist um etwa 0,30 m breiter. In diesem Bereich sind nicht quer durchlaufende Schwellensteine verlegt, sondern in Richtung des Durchganges sind lange Platten verlegt, deren unregelmäßiger Umriß und unebene Oberfläche natürlichen Schieferplatten entsprechen[43]. Nur dort, wo die Torwangen-Quader aufliegen, ist die entsprechende Platte sorgfältig geglättet. Der Zwischenraum zwischen den Platten ist mit Lehm und sehr kleinen Steinchen ausgestrichen. Erwähnt sei schließlich noch, daß die beiden Wangen aus lediglich 2 mächtigen Quader bestehen, die bis zu 0,52 m Höhe reichen bei einer Länge von 1,13 bzw. 0,8 m, und die zur Feld — und Stadtseite kräftig rustizierte Spiegel (bis 12 cm vortretend) mit fein geglättetten Randschlag-Rahmen aufweisen. In der südlichen Wange ist 0,16 m hinter dem Anschlag des Tores und 1,10 m über der Schwelle ein tiefes Loch angebracht: Für den Verriegelungsbalken von 16 (Höhe) X 14,5 cm (Breite)[44].

Unmittelbar vor der nördlichen Torwange wurde in einem schmalen Graben ein mächtiger polygonaler Steinblock freigelegt, der nach S hin eine ziemlich plane Fläche aufweist. Mit seinem höchsten Punkt überragt er das Niveau der Torschwelle um 6 cm. Da der Gehhorizont vor der Torschwelle sicher etwas tiefer als diese selbst lag entsprechend den Verhältnissen im Durchgang, dürfte der polygonale Block durchaus sichtbar gewesen sein. Er verdient Aufmerksamkeit, da weiter nördlich in fast gleich tiefem Niveau Reste vom Mauern aus ähnlichen Polygonalblöcken ergraben wurden. Auf der Innenseite der W-Mauer des Turmes I wurde in fast 2 m Tiefe (Höhenpunkte 23.55 und 23.88) ein Abschnitt einer Mauer gefunden, auf der die obere W-Mauer aufliegt, und die ungefähr parallel zu ihr verläuft. Unter der NW-Ecke des Turmes kam ein weiterer Abschnitt einer solchen Mauer zum Vorschein, die in etwa 1,10 m Breite nahezu rechtwinklig nach W führt, und zu der möglicherweise die grossen Blöcke gehören, die vor der N-Mauer in gleicher Tiefe vorragen. Ob all diese Reste eines groben polygonalen Mauerwerkes tatsächlich zusammengehören und gar einer älteren Anlage zuzurechnen sind, muß vorläufig offen bleiben.

Es bleibt noch ein Hinweis zum keramischen Befund, wie er sich in 3 Abschnitten abzeichnete. Klar ist die Situation an der Westbastion. Bei ihrer Anlage wurde klassische Keramik in die Anschüttungen mit eingebracht. Spezielle Formen wir Lekythen und Kratere (nächste Parallelen aus den Felsgräbem bekannt) sowie Skelettreste bezeugen, daß bei Errichtung der Bastion neben Grabsteinen (62) auch Erdmaterial aus der nahen Nekropole verwendet wurde; gleiches Material, d.h. Lekythen, Kratere und Skelettreste wurden auch in den beiden Schnitten an Turm I ergraben. So liegt der Schluß nahe, daß der Errichtung der W-Bastion eine gründliche Zerstörung der Nekropole vorausging — vermutlich gleichzeitig mit der Zerstörung der Stadt, wie sie durch die zahlreichen Spolien im Mauerbereich III (S-Bastion) erschlossen wurde. An ein Erdbeden als auslösenden Faktor zu denken, bietet sich quasi an. Das überlieferte Erdbeben von 227/6 V. Chr. scheint mit der Chronologie der Lampen 132! gerade noch vereinbar zu sein.

Zwei Aspekte erlauben zum Schluß einen Ausblick. Die keramischen Befunde am Turm I und an der W-Bastion (s. die Bemerkungen im Katalog) lehren, daß beide Anlagen gleichzeitig sein müssen — d.h. zumindest der nördliche Teil von Turm I. Sollte der Vorgänger bei dem Erdbeden teilweise zerstört worden sein, so daß er anschließend renoviert werden mußte? Gilt dies auch für die Toranlage selbst? Andererseits müßte Turm II zumindest bis zum heute noch sichtbaren Zustand erhalten geblieben sein. Manche Unterschiede in der Steinbearbeitung könnten sich auf diese Weise erklären — doch würde man gerne Mauerfugen, Renovierungsfugen erkennen können. Hier ergeben sich zweifellos noch Fragen, die einer Anwort bedürfen.

Zum anderen bleibt das merkwürdige Ergebnis, daß die Kaunier sich nach dem Erdbeden, nach einer gewaltigen Katastrophe nicht mit einem Wiederaufbau begnügt hätten, sondern sich so mächtige Erweiterungsbauten wie die W-Bastion und die Erweiterungsterrassen hinter der Stadtmauer geleistet hätten, dazu wohl auch SW-Bastion und Sperrfort. Zumal nach einer Katastrophe dürften solche Baumaßnahmen die Wirtschaftskraft der Stadt überfordert haben. Doch darf man in diesem Zusammenhang an Rhodos erinnern. Polybios (V 88) berichtet, daß die Rhodier mit auswärtiger Hilfe ihre Stadt noch besser und großartiger aufbauten als sie vorher war. Denkbar ist, daß Ähnliches auch für Kaunos gilt. Welche auswärtige Macht da ihre Finger im Spiel hatte, und welche Motivation dahinter stand, bleibt vorerst allein historischen Überlegungen anheim gestellt. Befunde in Kaunos werden sicherlich in Zukunft weiterhalfen.

KATALOG

Im folgenden Katalog sind einige der Funde der beiden Kampagnen 1988 und 1989 aufgeführt, die als exemplarische Vertreter gelten können, oder die aus anderen, z.B. chro-nologischen Gründen, besondere Aufmerksamkeit verdienen. Die grobe Gliederung folgt den Fundorten. Maßangaben erfolgen in der Regel in Metern; bei Gelaßen beziehen sich Durchmesser-Angaben (Dm) auf den äußeren Dm der Mündung, oder, falls diese fehlt, auf den größeren erhaltenen Dm.

Mauerbereich II

1 Tf. I Oberteil einer aus zahlreichen Fragmenten zusammengesetzten Bauchamphore, Typ B, wie am Henkelansatz zu erkennen ist. Seite A: Bildfeld seitlich durch einfache Linie abgesetzt, oben durch breites Band gegenständiger Lotusblüten und Palmetten begrenzt. Krieger und Wagenlenker im Viergespann, nach re, vor dem Gespann in die Knie gestürzter Krieger, der sich mit dem Oberkörper umwendet. Aufgelegtes Weiß am Hemd des Wagenlenkers und am Schildzeichen des rechten Kriegers (3 gegenständig orientierte, leicht divergierende 'Strahlen-Keulen') vollständig abgeplatzt. — Seite B: re obere Eicke auf der anpassenden Scherbe erhalten, seitlicher Rahmenstrich wie auf A im Ansatz erhalten, darüber statt Lotus-Palmetten-Fries ein Fries hängender Knospen, die oben durch Bögen über jeweils 2 Knospen hinweg miteinander verbunden sind, unten durch Bögen über je eine Knospe hinweg. Ungewöhnlich die Unterschiedlichkeit dieser Omamentzone auf A und B (vgl. CVA München 1. Tf. 36 und 39; CIRhodos 8, 131f). Nicht anpassend, doch nach Format und Material wahrscheinlich zugehörig die Fragmente mit dem dionysischen Thema: Dionysos mit dem Rhyton in der Re nach re hin auf dem Maulesel reitend; hinter ihm ein Silen, der mit der Li den Schwanz des Tieres faßt; vor dem Gott ein nach li in Tanz bewegter Silen. Im Feld Epheuranken, die von Dionysos ausgehen. Zum Gefäß, zur Thematik und zum Stil vgl. die Amphora der Bareiss Collection: Greek Vases In The J. Paul Getty Museum 2, 1985, 56L; ebda. S. 41fr zum Rycroft Painter. Etwa 510/500.

2 Von einem oder mehreren ähnlich großen Gelaßen, gleichfalls wohl BAmph. 4 wei-tere sf Fragmente: a. Re Teil eines Bildes (re. Bildrand) mit einer nach re hin tanzender Mänade (über die Schulter langzipfliges Mäntelchen, um die Taille die Nebris); die in Weiß aufgelegten Arme nur noch als ‘Schatten’ vor dem Oberkörper erkennbar. Li Mantelrest einer weiteren. Figur, dazwischen hängende Epheuranke mit großer Traube.

b. Oberer Teil eines frontal blickenden Silengesichtes; li wohl Rest vom Bug eines Tieres (Maulesel/Pferd) c + d. Kleines Fragment mit Rest eines in ‘3/4 - Perspektive' gesehenen Rades mit Achse; dahinter halb verdeckt mit geritzten ‘Augen’ versehene bandartige Partie, fast vertikal orientiert; entsprechend mit ‘Augen’ versehen auf dem 2. Fragment ein menschlicher Unterschenkel, nach li hin gerichtet; li anschließend Bildrand. Beide Fragm. vielleicht von einer Darstellung einer Amazone mit ‘getigerten’ Beinkleidern, vgl. Bothmer, Amazons in Greek Art Tf. 59, 61,64.

3 Schalenfuß, Dm 8 cm; Tom attisch; schwarzer Glanzton, teils verdünnt und streifig aufgetragen. Der feine Absatz über der Fußplatte ausgespart, ebenso das abgerundete Außenprofil der Fußplatte sowie ein Kreis im Fußinneren (zum Schalenboden hin); auf der Fußplatte etwa 0,5 cm vor dem Umbiegen des Profiles ein 0,5 cm breiter verdünnt aufget-ragener Tonstreifen, in dem ein schmaler, schwarzer Strich im Sinn einer Spirale einmal umläuft. Vgl. Agora XII Nr. 420; Hesp. 55, 1986, 38, fig. 2, 3, 9 und 4 (Typus C). Etwa 500/480 V. Chr.

4 Schalenfuß mit Teil des Schalenbodens. Fuß-Dm 7, 4 cm. Niedriger Fuß ohne Absätze bzw. Kanten im Umriß. Attischer Ton. Überzug: dichter schwarzer Glanzton innen und außen; nur Fußrand und Kehle im Fußinneren zum Schalenboden hin ausgespart. Vgl. Agora XII Nr. 415 (525/500 v. Chr.).

5 Schalenfuß mit Ansatz des Schalenbodens. Fuß-Dm 7,6 cm. Attischer Ton. Überzug: dichter, schwarzer Glanzton innen und außen. Der Wulst zwichen Schalenboden und Fuß mit verdünntem Schlicker überzogen. Fußrand ausgespart, ebenso der Schalenboden im Inneren des Fußes. Ähnliche Fußprofile tauchen bereits bei älteren Schalen auf (Jdl 61/ 2, 1946/7, Tf. 9 Nr. 24; Corinth XIII Grab 198,1; CVA Univ. California Tf. 17,1), werden anscheinend jedoch weiter tradiert (CVA Kopenhagen 3, Tf. 119,7; Corinth XIII Grab 262,8).

6 Schalenfuß mit Ansatz des Schalenbodens. Fuß-Dm. 6,1 cm; Ton nach Farbe und Konsistenz attisch, jedoch feine Glimmerpünktchen. Innenseite: Mittelpunkt und 2 konzen-trische Kreise mit verdünntem Schlicker aufgetragen. Außen: Standfläche mit weißem Überzug versehen, ansonsten dichter, schwarzer Glanzton; am Ansatz des Schalenbodens auf dem matt glänzenden Schlicker Restchen von aufgelegtem Weiß. Vgl. die kleineren Exemplare Keram. IX Tf. 85, E 10,3 und Sindos, Ausstellungskatalog 1985, Nr. 137 und 306 (Ende 6. Jh.).

7 Schalenrand, konkav; Dm an der Lippe etwa 20 cm. Ton attisch; dichter schwarzer Glanzton innen und außen.

8 Schalenrand ähnlich Nr. 7, nur etwas größer: Dm 21,6 cm. Überzug außen ein wenig streifig. Vgl. Hesp. 55, 1986, 6 fig. 3 Nr. 7 (500/480 v. Chr.).

9 Schalenrand mit Henkel, Lippe konkav wie bei 7f doch Knick etwas schärfer. Lip-penrand fehlt; Dm im Knick 12 cm. Ton in Konsistenz und Farbe attisch, jedoch feine Glimmerpartikel. Überzug teils schwarzbraun, teils dunkelrot, stumpf; sehr dünn aufgetra-gen und blättert leicht ab. Ungewönlich der Ansatz des Henkels in Höhe des Randknicks, wie bei späteren, fußlosen Randschalen: Keram IX Grab 48,1 und 279,4.

10 Miniaturschale ohne Fuß; Rand-Dm 5,9 cm. Henkel horizontal ansetzend, Rest fehlt. Ton attisch. Überzug schwarz, innen stumpf, oben am Rand und außen nach dunkelrot wechselnd. Vgl. Keram. IX Grab 48,1 (etwas größer; 490/80); AA 1981, 388f Abb. 10 (bereits 4. Jh.?).

11 Schalenrand, ohne Absatz zum Schalenboden auslaufend. Dm am oberen Rand 20 cm. Ton attisch; Überzug innen und außen dicht und schwarz glänzend, gelegentlich, vor allem außen nach Oliv wechselnd. Zahlreiche Fragmente bezeugen diesen Typus, doch lassen sich den erhaltenen Rändem keine Henkel oder Füße sicher zuordnen; daher bleibt die genauere Bestimmung der Schalen ungewiß. Angesichts der Neigung mancher Ränder bzw. der zu vermutenden Flachheit der Schalen wäre auch an rf Schalen zu denken, doch fehlen bislang entsprehende Scherben als Nachweis. Vgl. Hesp. 55, 1986, 13f.

12 Fragment einer Schale mit glatt auslaufenden Rand; Henkelansalz erhalten; Dm ca. 15,2 cm: Ton attisch. Henkelzone ausgespart und mit Palmettendekor geschmückt, ganz ähnlich der Schale Corinth ΧΙΠ Grab 275,5 (Tf. 39: 485/75); dazu vgl. CIRh 3 (1929), 236; Hesp. 15, 1946, Tf. 62.

13 Lippe, Hals und Kesselteil eines Kraters (?). Mündungs-Dm 0,25; Ton hart und körnig, z.T. große Kalkpartikel; Oberfläche hellbeige, im Bruch Ton nach Rotbraun wech-selnd. Lippe innen mit hellrotem Streifen bemalt; außen am Hals schwarzbraune horizontale Streifen, dazwischen Hellrot; am Leib offenbar tongrundiges Bildfeld mit schwarzbrauner Wellenlinie; Rahmung schwarzbraun, re anschließend Reste von Hellrot. Zur Form allgemein vgl. Samos V 53; speziell vgl. Samos IV Nr. 581 und 577; Samos VI 1,8 Nr. 645. Ferner Chios: Boardman, Greek Emporio io61T, Nr. 82,85 und 144A; Tocra, BSA Suppl. 4, 47f Nr. 603; Boehlau/Schefold, Larisa am Hermos III 109fr.

14 Lippe und Halsansatz eines Kraters (?). Dm 0,281; Lippe stärker ausladend als bei 13, auch klarer abgesetzt. Ton ähnlich wie bei 13, neben Kalkpartikeln auch rote und schwarze Steinchen. Lippe innen braun bemalt; Oberseite mit längs gerichteten Streifen versehen im Wechsel: braun, schwarzbraun, tongrundig (hellbraun/beige), schwarzbraun, braun, schwarzbraun, tongrundig. Außenkante der Lippe schwarzbraun. Zur Richtung des Lippenomamentes vgl, Samos IV Nr. 495.

15 Lippe und schräg nach unten ausladende Wand eines Kraters (?). Mündungs- Dm ca. 0,35. Tonoberfläche beige-hellbraun, im Bruch rötlich; grobkörnig mit Glimmerund Kalkpartikeln, dazu erstaunlich große Steinchen. Lippe rotbraun bemalt, z.T. Überzug wohl nur abgeplatzt. Außen etwas tiefer 2 schwarzbraune Streifen. Vg). allgemein Samos V 53, Nr. 389, Chios: Boardman, Greek Emporio 105fr zu Form und Dekor (Farben). Zum Lippenprofil vgl. den freilich kleinen Henkeltopf in Samos, AM 74, 1959, Beil. 42,1.

16 Lippe und schräg nach unten ausladende Wand eines Kraters (?) ähnlich 15, nur Lippe weiter und in sanfter Kehlung ausladend; Dm ca. 0,33. Ton hellbraun auf der Oberfläche, im Bruch rotbraun; körnig, zahlreiche feine Kalk- und Steine in schlösse. Lippe wie bei 15 mit Dunkelrot überzogen, im Inneren bis zu 7 cm von der Oberkante herab; außen in der Kehle nur noch schwache Reste gleicher Farbe, unteres Ende unklar.

17 Lippe, Hals und kleiner Ansatz des Leibes eines Kraters (?). Mündungs-Dm ca. 0,18. Ton grobkörnig, teils große Glimmer- und Kalkpartikel. Intensiv rot. Keine Bemalungsreste.

18 Lippe, Hals und Kesselansatz eines Kraters (?). Mündungs-Dm ca. 0,35. Ton hart und dicht, wenige und meist kleine Kalkeinschlüsse; Farbe: kräftiges Rotbraun. Auf der Lippen-Oberseite sowie außen Reste sehr dünner brauner Farbe; der gleiche Überzug offenbar auch am Hals; dort schwarzbraune Linien im Sinne eines horizontal-vertikalen Gitters, doch setzen manche Horizontalen plötzlich aus, andere hängen durch. Zum Dekor vgl. E. Akurgal, Alt-Symma Tf. 113b (?); zur Form des Randes vgl. AM 83, 1968, 285 Nr, 43 (Samos).

19 Unterteil eines konischen Kraterfußes. Dm 0,128. In der Standfläche eine feine Rille, zur Außenseite hin abgeschrägt. Oberfläche hellbraun, im Bruch zu Rotbraun wechselnd. Grobkörniger Ton mit reichlichen, auch großen Kalkeinschlüssen. Im oberen Teil außen zwei dunkelbraune Streifen, darunter sehr dünn und streifig rotbraune Farbreste. Vgl. allgemein Samos V Tf. 74ÎF. ; Boardman, Greek Emporio 113 Nr. 110 und 116.

20 Teil eines konischen Kraterfußes mit abgesetzter, wulstiger Standfläche. Dm 0,153. Ton beige, im Bruch rötlich. Hart, grobkörnig, z.T. große Kalkpartikel. Schmale und breite schwarzbraune Streifen, im Oberteil dazu Ansätze von Vertikalen. Zur Form vgl. den freilich doppelt so großen Fuß CI Rhodos 3 (1929)91.

21 Ähnlich wie 20, nur etwas kleiner: Dm 0,139. Dazu im oberen Teil eine flache, breite Rille. Ton wie bei 20, lediglich zusätzlich mit dunkelroten Steinchen. Bemalung: Anscheinend ein durchgehender, schwarzbrauner Farbauftrag, der leicht abblättert.

22 Randfragment einer Schüssel (?), Dm 0,30. Ton grobkörnig mit kleinen Kalk-partikeln und Steinchen, durchgehend grau. Keine Farbreste. Vgl. IstMİtt 32, 1982, 58f; AA 1989, 203 (steiler, kantigere Lippe); Bd’A Suppl. 31/32 (1985) 6tff, fig. 16. Zur Lippe vgl. auch Tocra, BSA Suppl. 4,50 Nr. 627.

23 Randfragment einer Schüssel wie 22: Neigung der Wand wie dort, Ton ähnlich, ebenfalls keine Bemalungreste. Etwas größer: Dm 0,35. Lippe zudem nach außen als breiter, flacher Wulst abgesetzt, Vgl. AA 1989, 203.

24 Rand einer Schale, Dm 0,245. Lippe nach außen als Wulst leicht abgesetzt. Ton körnig mit reichlichen Einschlüssen von Kalk und roten Steinchen, dazu sehr feiner Glimmer. Hellbeige. Keine Farbreste. Oberfläche offenbar mit dem Glättholz verstrichen. Vgl. AA 1989, 203; IstMitt 32. 1982, 82, Nr. 25t (wohl zu spät eingeordnet).

25 Rand einer Schale wie 24, Dm ca. 0,21. Lippe als etwas knapper Wulst abgesetzt. Recht grober Ton mit z.T. großen Kalkeinschlüssen. Durchgehend beige. Keine Be-malungsreste. Vgl. die unbemalten, nur annähernd ähnlicher Schüsseln in Milet: IstMitt 32, 1982, 78.

26 Bodenfragment einer kleinen Schüssel (?). Dm 0,092. Kein Standring. Ton grobkörnig mit Kalkpartikeln; beige, im Bruch nach Grau wechselnd. Keine Farbreste.

27 Bodenfragment einer Schale oder kleinen Schüssel. Dm 0,084. Wulstiger Standring. Wand etwas flacher als bei 26. Ton körnig mit z.T. großen Kalkpartikeln sowie roten und braunen Steinchen; feiner Glimmer. Oberfläche beige-bräunlich, im Bruch nach Rötlich und dann Grau wechselnd.

Weitere Fragmente etwa gleichgroßer Gefäße zeigen kantige Standringe, dazu unter-schiedliche Neigung der Wand — teils wohl von Schalen, teils von Schüsseln. Vgl. IstMitt 32, 1982, 58f (Standring meist etwa höher und nach außen gestellt).

28 Bodenfragment einer Schüssel, Dm 0,12. Kantiger Standring, durch Rille auch von der Wand abgesetzl. Körniger Ton, zahlreiche, meist große Kalkeinschlüsse, sehr feiner Glimmer. Oberfläche bräunlich-beige, im Bruch rotbraun. Dünner, dunkel/rot-brauner Streifen in der Rille zwischen Standring und Wand. Darüber und darunter Reste eines roten Farbauftrages.

29 Bodenfragment einer großen Schale ? — oder Teil eines fußlosen Kraters, zu dem Ränder wie 15fr gehörten; vgl. z.B. Larisa am Hermos III Tf. 49,2. Dm 0,27. Grobkörniger Ton mit Kalkpartikeln und groben Steinsplittem, dazu sehr feiner Glimmer. Hell-beige in der Oberfläche, im Bruch nach Rotbraun wechselnd, zur Bruchmitte hin nach Grau. Oberfläche verstrichen. Schwarz braun er Streifendekor, auch an der Boden-Unterseite (konzentrische Kreise).

30 Hals und Lippe einer Amphora (?). Mündungs-Dm 0,15. Grobkörniger Ton mit vielen Kalksteinpartikein und recht großeu Steinchen (grau/dunkelgra); Oberfläche beige, im Bruch grau. Vgl. AA 1989, 202.

31 Hals —und Lippenfragment einer Amphora (?). Mündungs-Dm 0,12. Ton dicht, aber grob mit großen Kalk— und Steineinschlüssen. Oberfläche beige, im Bruch rötlich. An der Lippe innen und außen schwarzbrauner Farbauftrag; tiefer am Hals außen ein schmaler schwarzbrauner Streifen, darunter ein breiterer rotbrauner. Vgl. IstMitt 32, 1982, 46 (Milet, Kanne).

32 Hals und Schulteransatz einer Amphora (?), Lippe im Ansatz abgebrochen. Hals-Dm oben 0,097. Hals verbreitert sich leicht nach unten; Schulter durch flache Mulde abgesetzt, lädt in flachem Bogen aus. Grobkörniger Ton mit zahlreichen Kalkeinschlüssen; Oberfläche braun-beige, im Bruch kräftig rot. Am Hais 2 schwarzbraune schmale Streifen, in der Mulde zur Schulter Reste eines breiten dunkelroten Bandes.

33 Hals und Lippe einer Amphora, leicht nach oben sich verbreiternd; oberer Dm (Lippe) 0,16. Ton beige/hell braun, sandig mit feinem Glimmer. Innen rauhe Oberfläche, keinerlei Überzug. Außen: cremiger Überzug, der auf die Lippen-Innenscite übergreift. Schwarzer Malschlicker, der verdünnt dunkelbraun wirkt, bei Überschneidung dicht und schwarz wird. Lippe mit breiten Schrägstrichen dekoriert, oberer Rand einheitlich gedeckt. Am Hals wieder Band lockerer Schrägstriche zwischen breiten schwarzen Streifen; darunter Reste eines locker gemalten Mäander. Vgl. 'Fikellura’-Amphoren wie z.B. BSA 39, 1933/ 34, Tf. 5; CV Berlin 4, Tf. 172, 3f. CIRhodos 6/7 (1933) 50t; Bd'A Suppl. 31/32 (19B5), 61 Tf. XI

34 Teller-Rand, Dm 0,198. Tonoberfläche rotbraun, im Bruch dunkelrot; körnig, reichlich kleine Kalkpartike). Reste eines rotbraunen Überzuges, der dünn aufgetragen ist und leicht abblättert. Vgl. Fußteller wie Samos IV Nr. 517 und 646, flache Teller wie CVA Berlin 4, Tf. 162,1: 163,5; CV München 6, Tf. 277,2 und 3; CV Kassel 2, Tf. 53,6.

35 Skyphos mit Henkelplatte, Dm 0,143. Ton beige-braun, teils leicht rötlich; harter, dichter Scherben, obwohl körnig mit Kalkeinschlüssen. Oberfläche innen und außen mit dem Glättholz geglättet, daher dicht geschlossen und leicht kantig. Malschlicker schwarzbraun. Außen im unteren Teil zweimal 3 dünnen Streifen, der vierte auf dem Gefaßrand. Platte im lederharten Zustand mit dünnem Stift exzentrische durchstochen. Zur Form vgl. frühkorinth. Skyphoi; zur Henkelplatte vgl. böot. Vogelschalen wie z.B. CV Louvre 17, Tf. 12 (ebenfalls durchbohrt, doch nur wenig abstehend); zum Dekor vgl. z.B. Henkelomamen- te wie CV Berlin 4, Tf. 154 (spätgeom. Krater/Rhodos) oder Kantharoi des 7. Jh. in Sa- mothrake (Samothrace V 339).

36 Unterteil-Fragment eines Skyphos (?). Fuß-Dm 0,104; Ton hell-beige, im Bruch leicht rötlich; dicht und fein, leicht sandig (kein Glimmer oder Kalk). Dichter schwarzer Überzug, glänzend; wenn zu dünn aufgetragen, leicht nach Violett schimmernd. Standfläche und Boden Unterseite ausgespart, dazu Streifen über dem Fuß, in dem flüchtig senkrechte 'Tropfen’ mit schwarzem Glanzton gemalt sind. Zu korinthischen Skyphoi vgi. BSA 44, 1949, 2t8ff und Corinth XIII (1964) io6ff; zu att. Skyphoi vgl. üre, 6th and 5th Century Pottery from Rhitsona 58t (Fußtyp e entspricht eng, doch ist es dort ein klares Zunge- nomament darüber, keine Tropfen); zur Tropfenform vgl. z.B. die kleine Pyxis/Phaleron: AJA 46, 1942, 43F Grab 33,5; zum Fuß vgl. — trotz Unterschieden — Corinth VII t, Nr. 342. Frühes 6. Jh.?

37 Fragment eines Napfes/Kantharos (?): Lippe und Teil der Wand erhalten, kein Henkelansatz. Größter Dm 0,089. Ton beige-braun, im Bruch ein wenig rötlich; feine und wenige Kalkeinschlüsse. Innen Reste eines schwarzbraunen Überzuges; außen am Schul-terknick ein schmaler, schwarzbrauner Streifen, darüber und darunter Reste von dünn auf-getragenen, mattem Dunkelrot, ursprünglich wohl an den schwarzen Streifen anschließend. Ton und Bemalung erinnern an die lokale Ware 13fr. doch weicht die Form von den bislang geläufigen Typen ab. Einhenklige Tassen laden in der Regel unter der Lippe nicht mehr oder nicht so stark aus, vgl. z.B. CV Berlin 6, toi zu Nr. 7 mit Lit. (Die Form läßt eher an Kantharoi denken, wie sie in spätgeometr. Tradition bis weit ins 7. Jh. tradiert werden (vgl. z.B. Coldstream, GGP Tf. 38e, f, g; CV Mannheim Tf. 4; 7f; spätere Kantharoi Samothrace V 336 ff). Doch ist auch an einen 2-henkligen Napf wie CV Heidelberg I, Tf. 23,8 zu erinnern (böotisch; wohl frühes 6. Jh: MarbWPr 1977/78, 2 Iff).

38 Tf. a Fragment einer thronenden Göttin, in Typus und Format aufs engste der Figur aus Kamiros im BritMus entsprechend: R.A. Higgins, Cat. of the Terracottas British Mus. (1954) Nr. 65; Kinn, Hals mit Schleiersaum, Oberkörper mit Oberarmen und Teil des li Unterarmes erhalten. Ton rötlich-braun, fein; zahlreiche feinste Glimmerpartikel. Von Überzug und Bemalung nichts mehr erhalten.

39 Tf. 2 Unterkörper (ohne Füsse) eines Manteljünglings; vom Typus Higgins a.O. Nr. 15t, doch etwas größer; Ton hellbraun-beige; reichlich feine Glimmerpartikel; reichlich Reste des weißen, cremigen Überzuges erhalten, vor allem hinten. Vgl. Bd’A Suppl. 31/32 (1985) 6tf, Taf. X (dazu Anm. ta).

40 Gesichtsfragment mit Teil seitlich des Kinnes, demnach wohl von thronender Göttin wie 38; auch im Format entsprechend. Ton wie dort, ebenso sehlecht erhalten.

41 Fragment einer stehenden Kore vom Typus Higgins a.O. Nr. tioff. Sehr schlecht erhalten, wohl auch Abdruck einer schon abgenützten Form. Erh. re angewinkelter Arm der Figur mit der Hand, die zwischen den Brüsten einen jetzt unförmigen Gegenstand hält, wohl einen Vogel. Da von Gewandfalten nichts mehr zu erkennen ist, könnte es sich auch um den späteren Typus wie Higgins a.O. Nr. 2 toff handeln. Ton wie bei 38.

42 2-stufige Basis mit Füßen und Ansatz der Gewandfigur; li Fuß leicht vorgesetzt; Mantelsaum hängt zwischen den Füßen nicht durch und steigt zur linken Seite der Figur (vorgesetzter Fuß) leicht an, wie es bei Koren der Fall ist, die mit ihrer Linken das Gewand raffen — vgl. Higgins a.O. Nr. 204fr. In der Große entspricht das Fragment eng Higgins a.O. Nr. 206, einer Figur, bei der auch eine 2-stufige Basis belegt ist; allerdings ist bei 42 die untere Stufe fast genauso hoch wie die obere, ähnlich wie bei Higgins a.O. Nr. 336. — Unterseite der Basis geschlossen, Luftloch mit Hilfe eines Messers eingeschnitten (s. Higgins a.O. S. 20); Rückseite wohl nicht aus der Form gezogen. Ton fein und dicht; feine Glimmer- und vereinzelte Kalkpartikel; teils rötlich-braun, teils beige-braun; keine Reste des Überzuges erhalten. — Verlauf des Gewandsaumes und Basisform erlauben keine eindeutige Zuordnung, der feine Glimmer weist eher zu den rhodischen Figuren.

43 Ca. 2,7 cm hohes Fragment eines Zylinders von ca. 5 cm Dm. Hohl, offenbar handgemacht, nach unten sich in sanftem Bogen verbreiternd. Zum Typus vgl. Higgins a.O. Nr. 45 (dazu S. 19). Ton beige, leicht rötlich; auffallend körnig, keine Glimmer -, wenig Kalkpartikel. Am oberen sowie unteren (ausschwingenden) Ende des Fragmentes breite, ockergelbe Horizontalbänder, dazwischen 3 braun-schwarze, stumpfe dünne Streifen S. 44.

44 Etwa 3,5 cm hohes Fragment eines Zylinders von ca. 5 cm Dm; wie bei 43 sich nach unten verbreiternd. Im senkrechten Teil offenbar mit dem Glättholz ‘kanneliert’, wobei die feinen, leicht kantigen Stege einen etwas zittrigen Verlauf bekamen. Knapp über der Verbreiterung, noch im Bereich der ‘Kanneluren’ ein fast 0,5 cm breites, horizontales Band mit stumpfer, schwarzer Farbe aufgetragen. Sonst keine Reste von Farben, auch keine Reste von Grundierung. Ton außen beige-braun, im Bruch rötlich, dicht und hart; kaum Glimmer. Der breitere Unterteil weist nach außen eine Bruchkante auf, nach innen einen von Hand geglätteten Steg - eine glatte Standfläche kann nicht beabsichtigt gewesen sein. · Umriß und ‘Kanneluren’ lassen an samische Tonfiguren wie AM 76, 196t, Beil, 2ff denken, die farbige Bemalung, vor allem bei 43, weist wohl in spätere Zeit, doch erlaubt der fragmentarische Zustand keine genauere Datierung. - Die Existenz handgemachter weiblicher Terrakotten in Art der samischen bezeugt 45.

45 Tf. 3 Oberkörper-Fragment einer weiblichen Figur, nur die Vorderseite und diese teilweise erhalten. H ca. 0.085. Wie die Innenseite zeigt, zunächst zylindrisch geformt, Dm ca. 0,17; dann wurden die flachen Brüste aufmodelliert, wobei die zylindrische Grundform offenbar etwas verdrückt wurde; die re Brust ist jetzt abgeplatzt. Ton leicht körnig, doch dicht und hart; beige; keine Glimmerpartikel. Keine Reste von Überzug oder Bemalung er-halten. Vgl. etwa BSA 44, 1949, tgfTf. 6f; AM 83, 1968, 298 Nr. 143.

Mauerbereich III (S-Bastion)

46 Tf. 3 Basisblock mit Rest einer Inschrift in der O-Mauer des Turmes verbaut. H 0,57; das Fußprofil teilweise erhalten; knapp über der Inschrift vermutlich das ursprüngliche Auflager für das Kopfprofil bzw. die Deckplatte der Basis. Grauer Marmor.

ΟΣ : E P. M------------ P O Y : M E

Unklar in seiner Bedeutung ist der Punkt hinter dem P. Zur Buch staben-Form vgl. die beiden Inschriften des Maussollos und seines Vaters, die noch heute bei der Hafenstoa liegen: JHS 73, 1953, 20; dazu die Alexander-Inschrift an der Ante des Athena-Tempels in Priene: Μ. Schede, Die Ruinen von P. (1964) 35. Demnach dürfte die Inschrift des Hermo- doros-Sohnes eher noch vor der Mitte des 4. Jh. entstanden sein.

47 Tf. 4 KKGB 1+4-1-13; weißer Marmor, erh. H 0,239; FO: Südmauer; 4 Fragmente der gleichen Profilleiste, 2 davon Bruch an Bruch passend, L etwa 0,46; an der einen Seite dieses Abschnittes befindet sich eine sauber gearbeitete Stoßfuge, an der anderen Seite biegt die Schmuckleiste rechtwinklig um, ist dann aber nach 13 cm gebrochen. Die beiden anderen Fragmente (KKGB 4 und 13} beschränken sich auf Teile der Kehle.

Die Schmuckleiste besteht aus lesbischem Kymation, Rundstab, Hohlkehle und schmaler Tänie. Darüber flache Abschrägung, die zum Auflager führt; diese Abschrägung - um den vorspringenden Teil der Hohlkehle vor Belastung zu schützen - zeigt, daß es wohl kein Fußprofil ist; dem entspricht, daß die Hohlkehle mit einem Lotus-Palmetten-Fries geschmückt war; Lotusblüten und Palmetten waren einst im farbig bemalten Grund aus-gespart, sind daher stärker verwittert als der umgebende Grund. Merkwürdig ist, daß unter den Blüten und Palmetten kaum mehr Platz ist für die übliche, verbindende Ranke (vgl. aber Labraunda I 1 Tf. V d), und daß es wohl nur 9-blättrige Palmetten (statt 11 -blättrig) waren (vgl. P. Roos 1972, Tf. 59,2). Zur Technik und Form der Palmetten vgl. z.B. BCH 108, 1984, 193; AEphem 1953/4, ßf'. ADelt 31, 1976 A 246; umgekehrt das Ornament gemalt: Hesp. 9, 1940, 32L Die Palmetten 47 sind nicht geflammt. Umriß und Proportion der Palmetten weisen ans Ende des 5. Jh. Zum Verlauf des Profiles vgl. Prakt. 1979, 13 (Rhamnus, allerdings Fußprofil; Hohlkehle niedriger und stärker gekehlt); vgl. typologisch auch das Antenkapitell aus Magnesia: Humann, Magnesia a.M. Abb. 64 (dazu IstMitt 33, 1983, Tf. 40f).

48 KKGB 2; weißlich-grauer Marmor, stark verwittert; H 0,173; FO: N-Mauer (östl. Teil); Ecke eines Schmuckprofils, in Entsprechung zum Antenfuß des Athena-Tempels von Priene (Wiegand - Schrader, Priene 95) wohl Fußprofil, vielleicht gleichfalls von einer Ante. - Über einer schmalen glatten Leiste eine gestreckte Hohlkehle/Ablauf, darüber leicht zuruckgesetzt ein weich geschwungenes lesb. Kymation; darüber feiner Rücksprung und knapper Ablauf (?, ursprünglich kantige Leiste?) zum Auflager. Vgl. den größeren und etwas reicheren Antenfuß vom Athena-Tempel (eine genaue Zeichnung verdanke ich W. Koenigs) und vom Zeus-Tempel (fast genauso groß wie 48) in Priene (Wiegand-Schrader a.O. 142); der Antenfuß vom Athena-Tempel dürfte für 48 einen ungefähren chronologischen Anhaltspunkt darstellen.

49 KKGB 7; grauer Kalkstein, stark versintert; H 0,144; Nahe der NO-Innen- ecke innerhalb der Mauerfüllung; Profilecke ganz ähnlich wie 48, nur sind lesb. Kymation und Ablauf geradliniger, und das lesb. Kymation wird oben und unten von einer abgesetzten Tänie gefaßt wie bei den Antenfußen in Priene. Die Unterseite des Fragmentes ist zu den Ansichtsseiten hin leicht abgeschrägt im Sinne eines Auflagers (s. 47). Der geradlinig-spröde Verlauf des lesb. Kymation ist ungewöhnlich; vergleichen mag man das freilich steilere Profil des Antenfußes vom Ostpropylon in Labraunda I t, Tf. IV d; ob damit ein Datierungsanhalt gewonnen ist, muß offen bleiben.

50 KKGB 23; weißlich-hellgrauer Marmor, verwittert und versintert; H 0,172; FO: N-Mauer-Außenschale, im Versturz der Oberfläche. Von einer Gebäude-Ecke: kräftig geschwungenes lesb. Kymation, darüber Ansatz des vorkragenden Geison mit Teilen der Mutuli, im einen Fall noch 3 Guttae erhalten, im anderen Fall nur noch eine Gutta. Darüber nur unförmig gebrochene Steinmasse. Die Guttae sind von der vertikalen Leiste dahinter nicht getrennt - vgl. z.B. die entsprechende Partie an der Halle des Zeusheilig- tums in Priene (Wiegand-Schrader a.O. 138; Dm der Guttae dort 1,8-2,0 cm, hier 1,7 cm). Zum Umriß des lesb. Kymations vgl. das entsprechende Glied in Belevi: FiE VI 23. Etwa gleichzeitig? - ein ähnliches Geisonfragment mit Resten zweier Mutuli wurde 1989 nordöstlich unterhalb des Turmes am Hang aufgelesen; möglicherweise stammt es vom gleichen Bau. - Das lesb. Kymation unterhalb des Geison scheint ein lonismus im dorischen Kanon zu sein.

51 KKGB 15; hellgrauer Marmor; erh. Η o, 186; FO: im Schutt über der NO-Ekke des Turmes. Oberfläche zeigt weitgehend feine Zahneisenspuren. Über dem Rest einer vertikalen, planen Fläche ein feiner Ablauf mit vortretender Tänie, darüber flacher Wulst; nach feiner Kante setzt ein sehr flach geschwungenes lesb. Kymation an, das gut 4 cm vorspringt; darüber nach nochmaligem Absatz eine flache Hohlkehle, deren oberer Abschluß in Form einer Leiste nur zu vermuten ist. Nicht auszuschließen ist, daß es sich um ein Fußprofil handelt, wie es an Altären und Basen geme mit lesb. Kymation versehen ist (Kopfprofil mit ionischem Kymation); doch ist der flache Rundstab merkwürdig: vgl. Labraunda I I, Tf. IV b. Zum Umriß des Profiles vgl. Gesims vom Südpropylon in Labraunda 1 i, Tf. 5. 51 etwa gleichzeitig (Mitte des 4. Jh.)?

52 KKGB 24; hellgrauer Marmor; H 0,155; FO: im Versturz über der N-Mauer des Turmes. Ganz ähnlich dem Profil 51, nur fehlen Rundstab und Ablauf unter dem etwas steileren lesb. Kymation, dazu läuft die obere horizontale Fläche nicht durch, sondern nach ca. 3,8 cm setzt parallel zur Vorderkante ein senkrechter Marmorsteg an, der aber nur noch 1 cm hoch erhalten ist. Der Rest erinnert an einen Falz - oder ist es Ansatz des Architraves, wie er bei karischen Felsgräbern über den Antenkapitellen mit ähnlichen Profilen folgt? (vgl. Roos 1972 und Roos 1985 passim). Nur das Material des Fragmentes 52 wirft bei dieser Lösung Fragen auf. - Die Oberfläche der Hohlkehle ist sorgfältig mit dem feinen Zahneisen aufgerauht bis auf einen 1 cm breiten, geglätteten Randstreifen über dem kantigen Absatz zum lesb. Kymation - eine optisch reizvolle Oberflächengestaltung, die anscheinend gerne im Hellenismus genutzt wurde: AvP XI 2, 19, Tf. 8; Bd’A suppl. 31/32 (1985) 72ff;lstMitt 33, 1983, Tf. 41,1.

53 KKGB 16; grauer Marmor; erh. H 0,131; FO: S-Mauer, im oberflächlichen Schutt. Wieder Hohlkehle/Ablauf und darunter durch scharfe Kante abgesetzt ein Profil; doch hier wohl ionisches Kyma, da es unten über ca. 9 cm hin geradlinig gebrochen ist, wie wenn hier ein Absatz angebracht gewesen wäre. Im Unterschied zu 51f folgt über der knapper geschwungenen Hohlkehle und der anschließenden Tänie eine tiefer liegende, schmale Leiste, über der ein Wulst liegt, der nach hinten flach ansteigt. Diese Fläche ist stark gerauht bis auf einen etwa 1 cm breiten Streifen am vorderen Rand, der wie der Wulst sorgfältig geglättet ist. - Wollte man diese Fläche als Horizontale annehmen, dann würden sich die folgenden Leisten schräg nach unten ‘vorbauen’. Im übrigen vgl. 55. Zur Abfolge von Hohlkehle/Ablauf und ionischem Kymation vgl. die Inschriften-Stele FdXant- hos VI 32frTf. XII, aber auch das Gesims im Pompeion/Athen: Keram. X 87.

54 Basisblock unmittelbar vor der W-Mauer liegend. Hellgrauer Marmor. H 0,675; Grundfläche 0,976 X 0,305. Über der glatten Fußleiste folgt ein lesbisches Kymation, darüber durch tiefe, schmale Furche getreennt eine schmale Leiste; sie schließt in nahezu rechtem Winkel die Fläche des Basisschaftes ab; nach oben endet der Schaft in einem flachen Ablauf und einer knapp vortretenden Leiste; das eigentliche Kopf-Profil war separat gearbeitet und lag auf: dafür ist der erhaltene Schaft mit der Anathyrose auf der Oberseite vorbereitet.

Die beiden Schmalseiten des Blockes sowie die eine Langseite sind sorgfältig ausgear-beitet, die 4. Seite ist auf Anschluß gearbeitet: Die Basis setzt sich hier fort, vermutlich gehört eine der beiden erhaltenen Schmalseiten zur ursprünglichen Langscite, vgl. z.B. Hesp. 2, 1933, 14ÎT; in der Oberfläche des erhaltenen Blockes ist über der Anschlußseite ein halbes Klammerloch erhalten; eine Klammer sicherte also den Zusammenhalt mit dem verlorenen Basisblock.

Die Schaft-Flächen sind sorgfältig mit einem feinen Zahneisen aufgerauht - bis auf ei-nen ca. 1,5 cm breiten Eckstreifen, der einen Millimeter tiefer liegt und glatt ist. Dazu vgl. die Basis in Nisyros ADelt 25, 1970 B Tf. 440 A (S. 518: 4.Jh.), deren Fußprofil nur etwas steiler ist und weniger auslädt (dazu vgl. den rhodischen Altar ADelt a.O. Tf. 438).

55 Tf. 5 KKGB 89/6; grauer Marmor; FO: war verbaut in der östlichen Mauer, die vom Turm zur Kleinen Akropolis führt, etwa in der Mitte des nördlichen Abschnittes. Teil einer Giebeldach-förmigen Bekrönung, vergleichbar einem Sarkophag-Deckel. Erhalten sind etwas mehr als die Hälfte der einen Schmalseite mit der li Giebelhälfte (das li Akroter ist teilweise erhalten), Teil der Langseite und des Daches mit einem Teil eines schornsteinartigen Aufsatzes; erhl. Br (Giebelseite) 0,48, ursprüngliche Breite in Höhe des Giebelbodens ca. 0,76, in Höhe des Auflagers ca. 0,60; erhaltene Länge etwa 0,65; ca. 0,38 hinter der Giebelfront erhebt sich über dem First ein grob gearbeiteter senkrechter 'Aufsau’, der eine ursprüngliche Breite von ca. 0,28 hatte; über die Hohe dieses ‘Aufsatzes’ läßt sich nichts sagen, ebensowenig über seine Länge, die natürlich mit der Länge der ganzen Bekrönung in Zusammenhang gestanden haben muß.

Das Auflager des Fragmentes zeigt eine sorgfältig gearbeitete Anathyrose, lag also auf einer geschlossenen Unterlage auf; es fehlt der bei Sarkophagdeckeln übliche Steg, der in den Falz des Kastens eingriff; auch die Dimensionen lassen an einer Deutung als Sarkophagdeckel zweifeln (Breite beim Satrapen-Sarkophag 1,167 bzw. 1,14: Mendel, Cat. S. 35).

Das Eckakroter zeigt zwei von der Ecke ausgehende Spiralranken, die außen in einge-rollten Blüten enden, und über deren inneren Voluten sich wohl eine Palmette erhob. Die inneren Voluten über der Giebelecke waren offenkundig etwas größer. Ob sich über ihnen unmittelbar die Palmette erhob (vgl. z.B. Roos 1972, Tf. 47), oder ob sich die Ranke oben zu einem weiteren Lyra-förmigen Glied entwickelte, über dem dann die Palmette aufragte (vgl. z.B. Antefixe seit früh kl assise her Zeit: AM 88, 1973, 73fr; Chr. Le Roy, FdD II ( 1967) 121 fl), läßt sich aufgrund des Erhaltenen nicht entscheiden. Die schlichte Form des Akroters ohne jegliches akanthisierendes Element - vgl. z.B, das Eckakroter des Satrapen-Sar- kophages (Kleemann, Jst Forsch 20, Tf. 18, dazu S. 80Π) - sowie der rundliche Umriß des ionischen Profils (vgl. z.B. B. Shoe, Prof. Greek Mouldings Tf. XII gf; XV 17; XXII 5!) sind offenkundig altertümliche Merkmale; das von P. Roos 1972, 96 für die vergleichbaren Felsgräber aufgrund historischer Erwägungen vorgeschlagene Datum erscheint zu spät, ein Ansatz noch im 5. Jh. mag vertretbar sein. Zum Profil vgl. im übrigen auch Assos, Inves- tig. 61. Merkwürdig bleibt der ‘Aufsatz’, der mit dem eigentümlichen Firstbalken lykischer Saritophage wohl nichts zu tun hat (vgl. AA 1975, 335; V. Idil, Likya Lahitleri 1985). Doch mag man vielleicht an den Aufsatz zweier lykischer Pfeilermonumente in Xanthos erinnern, deren Funktion als Basis im einen Fall gesichert ist, im anderen aber gerade fraglich ersc-heinen muß: FdXanthos I 44 und fig. 10 und 16. Vielleicht darf man auch an den freilich größeren ‘Aufsatz’ des Felsgrabes bei Phokaia erinnern: Akurgal, Kunst Anatoliens 294.

56 Tf. 6 KKGB 89/7; grauer Marmor; FO wie bei 55. Ungefähr rechteckiger Block, an 2 Seiten gebrochen, an den beiden anderen gleichartig profiliert. H 0,264; Br ca. 0,42; L ca. 0,70. Unterseite mit Anathyrose versehen;Oberseite bis auf ca. 1,5 cm breiten, geglätteten Randschlag grob gepickt. Der obere Teil (fast 2/3 der Höhe) ist im Sinne eines Quaders mit vertikalen, planen Flächen versehen, die mit dem Zahneisen geebnet sind; den unteren Abschluß dieser Flächen bildet ein geglätteter Randschlag. Nach einem scharfen Abstz folgt ein welliges Profil, das jedoch nur von Feme an ein lesbisches Kymation erinnert. Denn die obere (konvexe) Welle ist knapp und kurz gegenüber der langgestreckten und sehr flachen Kehlung darunter; zudem bildet die obere Welle zunächst eine Wölbung im Sinne eines Viertelkreises, es folgt ein fast kantiger Absatz, in dem die Kehlung des unteren Teiles beginnt: vgl. z.B. Shoe a.O. Tf. LI 2 und 5. Die Kehle wird abgeschlossen durch eine kantig vortretende Leiste, der nach unten ein Ablauf folgt.

Die Ecke zwischen den beiden bearbeiteten Seiten ist vor allem nach oben zu zerstört; auf der Oberseite sind seitlich dieser Verletzung gerade noch Ansätze einer Erhebung erhalten, die wohl nur mit einem Eckakroter in Verbindung gebracht werden können (zum möglichen Denkmaltypus vgl. z.B. AEphem 1930, Tf. 2).

57 KKGB 89/5; grauer Marmor; FO wie bei 55; zwei anpassende Fragmente wurden unterhalb am Hang aufgelesen. H 0,22; Gesamtlänge der 3 Fragmente 0,52. Vgl. 51f; lesbisches Profi! stärker geschwungen, darunter flacher Rundstab; über der Hohlkehle und ihrer Abschlußleiste ein horizontaler Rücksprung und eine vertikale Leiste, über der die grob gepickte Oberfläche schräg ansteigt. Die Horizontale ist durch die Auflagerfläche gegeben, die Anathyrose aufweist (geglätteter Randstreifen ca. 6,5 cm breit). Die Oberfläche der Hohlkehle ist mit dem Zahneisen (oder Raspel?) leicht aufgerauht bis auf einen 1,5 cm hohen Streifen am unteren Rand, der sorgfältig geglättet ist. - Die Dimensionen des Fragmentes lassen keinen Zweiei daran, daß es von einem stattlichen Bauwerk stammt.

58 KKGB 89/8; hellgrauer Marmor, Oberfläche weißlich verwittert. H 0,20. FO: Westlich der Südbastion am Hang. - Ungewöhnlich die hohe Fascie (mit leicht vertieften, glatteren Randstreifen) zwischen ionischem Profil unmd Hohlkehle; diese auffallend flach; gegenüber den bisherigen Schmuckleisten auch merkwürdig der 2 cm weite Vorsprung über dem ionischen Profil.

59 KKGB 12/8/88; rhodische Weinamphora, H ca. 0,72; FO; Dicht an der Innenschale in der SW-Ecke des Turmes gefunden, in der festen, ansonsten sterilen Lehmpackung liegend, ca. 0,30 m unter der heutigen Oberfläche; gebrochen, doch vollständig. Auf den Henkel die beiden Stempel:

ΑΡIΣ -------- AAM(
ΤΕΥΣ------- ΘΕΝΕΥΣ

Nach freundlicher Aunkunft von V.R. Grace sind die beiden Namen bisher noch nicht zusammen an einer Amphora belegt. Damosthenes, der Fabrikant produzierte auch noch nach Einführung der Monatsnamen auf rhodischen Stempeln (ca. 240 v. Chr.); Aris- teus fällt in die Zeit davor; Frau Grace schlägt deshalb als Datum ‘toward the middle of the 3rd century’ vor. Vgl. BCH Suppl. 13 (1986) 559fr zu Nr. 23.

60 KKGB 11/8/88; Unguentarium; FO: ca. 1,50 m östlich der SW-Innenecke, etwa 0,30 nördlich der Innenschale in 0,40 m Tiefe in der gelblichen Lehmpackung. H 0,175 cmi vollständig; Ton hell-beige, z.T. zart rötlich; hart und porös, mit zahlreichen roten und schwarzen Steinpartikeln durchsetzt; sehr wenig Glimmer. Mündung in Glanzton getaucht, der an einer Stelle am Hals herablief bis zur Schulter und dort einen schwarzen, dichten Klecks bildete. Die Kenntnis vergleichbarer, nur z.T. publizierter Unguentari- en verdanke ich der Liebenswürdigkeit von E. Zervoudaki; sie stammen aus Rhodos (vgl. z.B. ADelt 28, 1973 B 2, 640, Tf. 600) und Nisyros (vgl. ADelt 25, 1970 B 2, 518 und 35, 1980 A 79(f) und scheinen aus dem 2. Jh. v. Chr. zu stammen. Doch ist das rhodische Grab 66 mit dem am besten vergleichbaren unguentarium gestört gewesen. · Vgl. im übrigen auch rhodische Unguentarien frühhellenistischer Zeit: A. Giannikouri - B. Patsiada · Μ. Philimonos, in Synatisi gia tin hellenistiki keramiki, loannina 1986 (1989) 59f Typ A mit entsprechendem Fuß.

Zwischen Amphora 59 und der W-Mauer wurden noch Scherben eines Gefäßes ge-funden, das eine kleine Olpe gewesen zu sein scheint (die Mündung fehlt); vergleichbar könnte eine Olpe aus Grab 33 A in Rhodos sein (Zoupharakis, MP. A. 4289), das noch dem 3. Jh. angehören soll.

61 KKGB 17/8/88; Fischteller; FO: im Schutt über der NO-Innenecke knapp unter der Humusschicht. Dm o.zo. Ton hart und dicht, dabei körnig ohne Glimmer; feine Kalkpartikel; Oberfläche hellrot, im Bruch dunkelrot; zu 3/4 erhalten. Matt glänzender, dünner Glanzton; Standfläche und Streifen am Fuß tongrundig ausgespart, ebenso zwei breite Streifen um die Mittelvertiefung bzw. am äußeren Rand des Tellers. Vgl, u.a. Hesp. 43, 1974, 235 Nr. 39 und 52, 1983, 269 fig. 6 (trotz mancher Unterschiede wie im Fußprofil). C. Williams teilte mir freundlicherweise von ihrer Grabung in Mytilene mit, daß dort zahlreiche entsprechende Teller gefunden wurden; nach der Stratigraphie ‘late third to mid second century would be by best assessment at the moment’. Vgl. auch Roos 1974, B 6 : 6.

Mauerbereich V

Denkmäler aus Marmor:

62 Tf. 7 Grabmal eines Arkaders aus Pheneos; heller Marmor; im westlichen Teil der S-Mauer der W-Bastion mit anderen Spolien verbaut. Zwei von mindestens 3 Blöcken sind erhalten: der linke Block der Reihe mit dem ersten Teil des Epigrammes; er zeigt li von der Inschrift einen feinen geglätteten Saum, der die mit dem Zahneisen leicht gerauhte Fläche dekorativ rahmt: Demnach schloß hier die Reihe der Blöcke ab. In der gleichen Quaderschicht ist östlich anschließend ein weiterer Inschriftblock verbaut; er zeigt das Ende des Epigrammes und nach reichlichem Abstand wieder den feinen Saum. Der 1. Block mißt 0,875 in der Höhe (in gebrochenem Zustand) und 0,463 in der Breite (liegend verba ut). Der fehlende mittlere Block dürfte etwa die gleiche Breite gehabt haben.

ΕΝΘΑΔΕΓΩΚΕI(------------------ )ΚΛΟΥ
ΑΡΚΑΣΕΚΦΕΝ(------------------- )ΛΥΣΑΣ

Die metrische Form ist evident; der oft bezeugten Eingangsformel (vgl. Peek, Griech. Versinschriften I 350, 353, 420, 424) durften der Name und das Patronymikon gefolgt sein, - zu diesem gehört wohl die Endung ΚΛΟΥ; die zweite Zeile stellt die Herkunft aus dem fernen Arkadien demonstrativ in den Vordergrund; das letzte Wort der Zeile muß wohl auf die Umstände des Todes eingegangen sein.

Zur Buchstabenform: E mit kurzer Mittelhaste, K mit kurzen Schräghasten, nach unten ovales Omega vgi. z.B. attische Inschriften des mittleren 4. Jh., z.B. die Bryaxis-In- schrift IG II2 3130 oder auch Inschriften von Grabreliefs wie München, Katalog III, Klass. Grabdenkmäler und Votivreliefs Tf. 10. Uber der Inschrift tritt eine schmale, glatte Leiste leicht vor - ein wohl zu bescheidener Abschluß der so stattlichen Inschrift. So ist nicht nur eine Basis für die 3 Inschriftenblöcke anzunehmen, vielmehr ist zu vermuten, daß über der Inschrift ein angemessener Abschluß oder gar ein weiterer Aufbau folgte. Nach Art der Oberflächenbearbeitung könnten benachbarte Spolienblöcke vom gleichen Denkmal stam-men.

63 — Rustizierter Quader an der SW-Ecke der W-Bastion, nahe der Ecklehre relativ flach eingemeißelt:

Δ
ΕΠ

In Anlehnung an eine Mauerinschrift in Nisyros (BSA XII, 1905/6, i66f) könnte man daran denken, daß die 3 Bauchstaben für

Ε(πεντε) ΠΟΔΕΣ ΔΗΜΟΣΙΟΝ

stehen. Der schmale Raum zwischen Bastion und Straße sollte offenbar nicht fur Grabmä- ler genutzt werden. Die Inschrift mag bei Errichtung der Bastion angebracht worden sein.

64 BK 1 (A + B + C + D): 4 Fragmente vom gleichen Profil; grauer Marmor, z.T. stark, weißlich verwittert; H 0,20; FO: im Zwickel zwischen der stadtseitigen Erweiterung der Stadtmauer und der nördlichen Begrenzungsmauer der Plattform zwischen Turm I und II, im Niveau 25.60 bis 25.40. Das kleinste Fragment D ist vorzüglich erhalten: Der scharfkantige Steg unter dem lesbischen Kymation und der folgende Rundstab zeigen eine fein geglättete Oberfläche; die folgende plane Fläche ist bis auf einen schmalen glatten Rand rauh belassen: Demnach handelt es sich um ein Auflager. Keine Farbspuren. - Merkwürdig die scharfe, wie gesägte Furche über dem lesbischen Kymation. - Der weich geschwungene Umriß des lesbischen Kymation läßt noch an Formen des späten 5. Jh. denken, vgl. z.B. Erechtheion, Stevens-Paton Tf. 29, 10 und 30, 14.

65 Bk 3 (A + B); grauer Marmor, H 0,084; FO: im Schutt vor dem Grabmal 62, unter dem Ablauf lesbisches Kymation (Ansatz abgeschlagen) mit Resten roter Farbe (Grund mit Rot bedeckt, Herzblatt und Lanzettblättchen waren unbemalt); darunter Beginn eines Ablaufes/Kehle. - Zahlreiche weitere ähnliche Fragmente, die sich im einen Fall zu einer Leiste von mindestens 0,6 m addieren.

Keramikfunde:

Im Schnitt nördlich der Bastion bzw. westlich der Polygonalmauer konzentrierten sich die Scherbenfunde in 3 Horizonten. Im Niveau 24,65/24,60 (A) fand sich hellenistische Re- liefkeramik (grauer Ton, schwarzer/dunkelgrauer Überzug; stumpf).

66 Becherrand mit Eierstab und Rosetten in der Art wie EADélos XXXI, Tf. 79, Nr. 351 + 1148.

67 Tf. 8 Bodenfragment eines Bechers mit Monogramm: EAélos XXXI, 226f Nr. 634; zu den Kelchblättern vgl. a.O. 267 Nr. 458.

68 Tf. 8 Becherrandfrgt. wie AJA 45, 1941, 244f; dazu vgl. K. Tsakos, in Synantisi gia tin Hellenistikin Keramiki (Joannina 1989) Tf. 82 (Samos). Ein ähnliches Fragment fand sich vereinzelt noch ca. 0,4 m tiefer. Bis in diese Tiefe reicht die Schicht, die durch reichliche Dachziegel- und Amphorenfragmente gekennzeichnet ist.

Aus der gleichen Schicht stammen zwei Amphorenhenkel:

69 ΔΑΜΟΣ( rhodisch; Fabrikant; vgl. EADélos XXVII E 18 (“period Vl’/spätes 2. Jh./frühes 1. Jh.).

70 )ΙΝΘΙΟ( wohl Monatsname: ΥΑΚIΝΘΙΟΥ oder ΣΜΙΝΘΙΟΥ; rhodisch, vgl. Tarsus 1 141, Nr. 26.

Mächtiger war eine Schicht im Bereich von ca. 23,85 bis 23,50 (B), die reichlich Scherben mit gutem Glanzton enthielt, fast durchgehend attische Keramik. Fragmente aus dem unteren Bereich (C) paßten an solche aus dem oberen Bereich an. Zu mindestens 2 Krateren gehören 71-74;

71 Teil der Lippe eines Kraters (Dm ca. 0,38) wie Roos 1974, B 1:1 b + d + e.

72 Wandungsfrgt. unterhalb der Lippe, vielleicht vom gleichen Gefäß, in Weiß aufge-legter Olivenzweig, vgl. Roos 1974, B 9:1 und 2.

73 Frgt. vom unteren Teil eines Kraters mit Ansatz der steilen Wand, vgl. Roos 1974, B I:Ip.

74 Frgt. ähnlich 73, doch ist zwischen den unteren Schalenteil und die steile Wand ein markanter Absatz eingefügt. Zum Verlauf der Wand vgl. Roos 1974, B 1:1p; zum Absatz vielleicht dort B 1:11.

75 Frgt. eines profilierten Fußes (Dm 0,14), schwarzer Clanzton mit schmalem ausges-parten Tonstreifen, (mit intentional red), wohl von einer Pyxis wie AM 79, 1964, Beil. 14.

76 Frgt. einer fußlosen Schale wie Agora XII 494, doch im Inneren ‘rouletting’.

77 Frgt. eines Kantharos ähnlich Agora XII 6z8f, doch Wandung etwas mehr nach außen geneigt; Dm o,to m. Etwa in halber Höhe des Gefäßes lief eine gestempelte Dekoration um: Hängende Palmetten (mit stark betontem Mittelblatt) und nach oben gerichteter Eierstab; vgl. etwa CV Warschau 6, Tf. 12.

78 Schale mit steilem Standring, ähnlich wie Hesp. 52, 1983, 266 Nr. 31 (allerdings knickt das Außenprofil des Standringes erst 1 mm über der Standfläche nach innen ab); Dm 0,15.

79 Schalenfrgte: 5 Schalen mit Horizontalhenkel nachgewiesen, die größte mit Dm 0,116; auffallend dünnwandig. Ton hart und dicht, im Bruch hell-beige; Schlicker z.T. schwarz und metallisch glänzend, teils dunkelrot glänzend, mehrfach am gleichen Gefäß wechselnd; z.T. auch ohne Glanz; zum Standring hin in welliger Linie endigend, darunter tongrundig, wobei gelegentlich Tropfen des Überzuges nach unten liefen. Offenbar nicht attisch. Vgl. zum Umriß die einhenkligen Schalen wie Agora XII 769 (doch Lippe dort einfach nach innen gerichtet) oder die henkellosen Schalen in Korinth VII 3, z8f, Nr. 2 und 11 (hier Lippe stärker nach außen gerichtet). Näher stehen Schalen in Rhodos - trotz feiner Unterschiede: A. Giannikouri - B. Patsiada - Μ. Philimonos, in Synantisi gia tin hel- lenistiki keramiki, loannina 1986 (1989) S. 77 Tf. 8of (vom Ende des 4. Jh.). - Einige der Schalenfrgte. fanden sich auch in tieferem Niveau (ca. 22,60).

Der 3. ‘Scherbenkomplex’ (C) wurde im Fundamentgraben (23,0/22,5 m) gefunden.

80 Frgt. von der Wandung eines Glockenkraters; Mäander und Reste von 2 Figuren (Füße und Gewand); attisch; vgl. Roos 1974 E 1. Ein kleineres, ganz ähnliches Fragment (nur Mäander-Rest) vielleicht vom gleichen Gefäß wurde im Horizont B gefunden.

81 Rest einer wgr. Lekythos: Teil der weiß gedeckten Bildzone (schlecht erhalten) und mit schwarzem Glanzton überzogener Unterteil), der sich in flachem, gestrecktem Bogen zum Fuß hin veijüngt. Demnach dürfte die Lekythos zu denen des späteren 5. Jh. gehören, vgl. z.B. Ephem 1958, Tf. 6ff.

82 Kopf, Hals und Schulteransatz einer Tk, sehr verrieben, doch auch schon Form abgenutzt. H ca. 5 cm. Ton weich, dunkelbraun; keine Farbreste; Noch gut zu erkennen die Doppelflöte, die vom Mund nach unten führt; über der Stirn dicker Haarwulst, demnach kein Silen; über dem Haar ein ‘Aufsatz’ wie die Stephane bei Frauen - demnach weibliche Figur. Dieser Typus (stehend) sehr selten: Winter, Typen III 2, 140; vor allem im Osten selten: Lindos I 2267. Soweit die verriebenen Formen erkennen lassen, wohl klassisch.

83 Glasknopf in Form eines Kugelsegmentes, Dm 1,3 cm; unmittelbar dabei Elfenbe-inplättchen mit geritztem ‘Abakus’ und Volute, L 2,2 cm, Dicke 2 mm Beide Funde wohl von einem Holzmöbel, z.B. Kästchen.

Die Funde der oberen Schicht A setzen sich zeitlich und als Gattung klar von den beiden unteren Schichten ab, die enger zusammengehören (anpassende Fragmente). B und C decken einen größeren Zeitraum ab: a. Hälfte 5. Jh. bis Ende 4. Jh. Wichtig ist dabei, daß eine Gefaßform wie die wgr. Lekythos eindeutig und ausschließlich sepulkral verwendet wurde; die Kratere 7fff sind gerade in Kaunos aus Gräbern bekannt, stammen demnach wohl auch aus sepulkralem Bereich. Insofern ist noch zu erwähnen, daß deutlich unter Schicht A im Niveau 24.15 (also noch ca. 30 cm über B) Reste eines Schädels, gleich dabei ein Oberschenkelknochen und eine Handspanne entfernt ein 2. Oberschenkelknochen gefunden wurden; unter dem Kopf folgten ein paar Wirbel, weitere Knochenreste waren nicht mehr zu identifizieren; in gleicher Höhe westlich wurden sehr ähnliche Reste eines zweiten Skelettes geborgen. 0,20 m tiefer wurden wieder bescheidene Knochenreste ergraben (Schädeldecke, Oberarm- und Oberschenkelknochen?), und im Niveau 23.75, also inmitten der Schicht B Reste eines 4. Skelettes. Offenkundig waren es keine regulären Bestattungen, und die Skelette waren unvollständig.

Westlich und nördlich des Turmes I wurde in mehreren aneinander anschließenden Schnitten ein ganz ähnlicher Befund wie an der W-Bastion ergraben. Nur wenig unter der 15-20 cm starken Humusschicht folgte eine an Dachziegelfragmenten reiche Schicht (da-runter auch Grobkeramik), in der zunächst Amphoren-Henkel gefunden wurden, dann auch Reliefware. Der Zeithorizont scheint recht einheitlich hellenistisch (2. Jh. v. Chr.) zu sein. Erst 0,50 m tiefer nach einer so gut wie sterilen Schicht aus kleinen Steinchen mit reichlichem Lehm folgten wieder Scherbenfunde. Dabei handelt es sich so gut wie durchgehend um attische Ware kiassicher bis spätklassischer Zeit (ca. 480 - 300 v. Chr.).

A. Hellenistischer Horizont

84 Amphoren-Henkel mit Rundstempel ΙΩΙΛΟΥ um Rose; rhod. Vgl. Hesp. 54. 1985, 42; durch den pergamen. Fund von 205/175 v. Chr. ungefähr datiert.

85 Amphoren-Henkel: ΤΙΜΟΘΕ(ΟΥ ; re eine Weintraube; rhod. Grace: 2nd half of 2nd cent, by appearence of handles.

86 Amphoren-Henkel: ΕΙΡΗΝΑΙ/OY ; rhod. Vgl. EADélos XXVII 313 zu E 34; spätes 2.Jh.

87 Amphoren-Henkel : ΕΓΠΑΡΑΤΟ
ΦΑΝΕΥΣΑ
ΓΡIΑΝIΟΥ

rhod; vgl. EADélos XXVII 313 zu E 34, um 100 v. Chr.

88 Amphoren-Henkel: ΑΛΥΠΟΣ ; li eine Weintraube; Grace: Rhodian Fabricant; probably late 2nd cent.

89 Amphoren-Henkel. Rundstempel mit Adler;

Grace: ΕΠΙΓΟΝΟΣ ; Knidian Type 553 - vgl. Hesp. 54, 1985, 14 Anm. 28; about 100 B.C.

90 Frgt. einer 'knidischen' Lampe: EADélos XXVI 33f.

Etwas tiefer wurden gefunden (bis zu ca. 20 cm):

91 Frgt. eines Kohiebeckens (Blüte) wie EADélos XXVII Tf. 52, D 401. Demnach spätes 2. Jh, V. Chr,

92 Frgt. eines ‘delischen' Bechers wie EADélos XXXI Tf. 32, 394 und 1420. Demnach spätes 2. Jh. V. Chr. (vgl. Gnomon 53, 1981, 164f).

93 Frgt. eines Relief-Bechers: Hängende Epheublätter; darunter netzartig angeordnete Hache Leisten, auf denen in lockeren Abständen Punkte sitzen. Vgl. Tarsus ! fig. D+E, 13t M; Samaria - Sebaste Ill 279 Nr. 11 und 280 Nr. 23; (emer Labraunda II 1,63 Nr. 123.

94 Frgte. von mehreren (?) Bechern wie 68.

B. 'Klassischer' Horizont, attische Ware:

95 Frgt., wohl von einem Glockenkrater wie 80, mit Gewandrest, Wandstärke 6-7 mm, innen ‘gefirnißt’.

96 Rand-Frgt. eines Kraters, wohl von einem Glockenkrater, da recht steil ansteigend und Wulstlippe außen abgesetzt. Innen genau unter der Lippen-Kante ein tongrundiger Streifen, ebenso außen über dem Absatz. Darunter kleiner Rest des üblichen Blattzweiges. Vgl. CVA Tübingen 4, Tf. 25 (440-430); Basel 3, Tf. 12, 3-4 (Absatz stärker betont; 440- 30).

97 Mündung einer Lekythos (Dm 4,6 cm); Schwarzer, dichter Glanzton bis auf die tongrundige Oberseite, die nur am inneren Rand einen schmalen schwarzen Streifen aufweist. Der äußere Kontur schwingt leicht nach oben aus. stärker als z.B. bei CVA Kiel 1. Tf. 41. 7f und 42 (kurz vor 450) und CVA Basel 3, Tf. 46, 5f (um 460); Group II in Corinth XIII 141F B.F. Cook in Ancient Greek and Related Pottery, Symposium Amsterdam 1984. 150f

98 Lekythos-Fuß; schlichter Diskusfuß, der sich nach unten leicht verbreitert (Dm 2 cm); Oberseite flach ansteigend, mit Glanzton versehen; Seite mit dünnem roten Farb-auftrag; Unterseite flach konisch vertieft. Wohl von einer Lekythos der Gruppe III (vgl. Co-rinth XIII 142f; Kerameikos IX 35f Gruppe III/3 und einzelne Vertreter von IV/2 wie Tf. 34-7).

99 Lekythos-Fuß, ähnlich dem der Lek. CVA Kiel 1. Tf. 44, 4ff - unterer Torus ein wenig mehr ausbauchend, und über dem Absatz fast wie ein flacher Teller (also höher); Oberseite leicht ansteigend.

100 Bauchlekythos-Frgt. wie Agora XII 1123, CVA Kiel 1. Tf. 54,5. Lmgewöhnlich am Frgt. in Kaunos ist, daß das Z-Muster nicht von den üblichen beiden schwarzen Streifen begleitet wird.

101 Fuß, wohl von einer Schale wie Agora XII 534 oder ADelt 35, 1980 A 42 fig. 5 (Fußproßl bei tot um eine Kante bereichert), Unterseite: Kreis in der Mitte und Streifen neben Fußansatz ausgespart.

102 Kantharos-Fuß vom Typ Agora XII 701; Dm 4 cm; vgl. auch ADelt 33, 1978 A 208, 6.1 und 212,7; Hesp. 52, 1983, 265 Nr. 26.

C. Ein weiterer ‘Scherben-Horizont’ zeichnete sich nach ca. 0.3 - 0.35 (- 24,20/23, 85) ab, nach einer sterilen Schiebt, die aber nach Konsistenz und Farbe keine Abweichungen erkennen ließ.

103 Frgt. vom Hals eines Kolonettenkraters; Dm ca. 0,30; auch innen mit dichtem Glanzton überzogen; Drehspuren sichern fast senkrechte Position; außen hängende Knospenkette, wie sie bei diesen Krateren sehr üblich sind: Vgl. z.B. CVA Kiel 1, Tf. 31 f.

104 Tf. 9 Frgt. mit dem Kopf einer Flötenbläserin; darüber feine Kante und Ansatz eines Wulstes; die schräge Stellung des Frgl. deutet auf einen Kelchkrater: Vgl. z.B. CVA Tübingen 4, Tf. 18 Basel 3, Tf. 10; Kiel 1, Tf. 35. Zum Kopf vgl. ARV2 1143C Nr. 2, 13 und 16 - wohl gleiche Hand.

105 Kleines Frgt. vom Rand eines Glocken (’)-Kraters wie CVA Tübingen 4, Tf. 23 mit Teil des Lorbeerzweiges.

106 Frgt. vom Rand eines Glockenkraters wie CVA Tübingen 4, Tf. 25 (Absätze über und unter dem Lorbeerzweig kantiger) und 27 (Position stärker nach außen geneigt).

107 Frgte. eines Glockenkraters: A. Randscherbe mit Lippe und li-läufigem Lorbeer-zweig; nach Farbe und Konsistenz von Ton und Überzug vom gleichen Gelaß zwei Wandscherben: B. Rest eines Helmes mit flatterndem Busch eines nach re eilenden Kriegers, Ansatz des Rundschildes noch erhalten (2 konzentrische, im lederharten Zustand eingetiefte Kreise); li noch Rest des Henkelmusters (sehr kursorisches Zungenmuster); C. Ein schräg nach hinten ausgestreckter Fuß - offenbar von einer rennenden Figur. Das Motiv des eilenden Kriegers läßt an Menelaos denken, der Helena verfolgt (vgl. LIMC IV Tf. 337; besonders ARVJ 615 - Louvre G 482); doch paßt die Nahe des Henkels hinter 'Menelaos’ nicht; oder man hat an Waffenläufer zu denken wie CIRhodos 3, 248ff, zu diesem Glok- kenkrater paßt auch gut das Randfragment A (Umriß).

108 Frgt. vom Rand eines Kraters mit li-läufigem Lorbeerzweig; fast ohne Absatz durchlaufender Kontur, weit ausladend. Die kursorische Zeichnung der Blätter weist bereits ins 4. Jh. In dieser Zeit ist auch mehrfach das Profil glatt gebogen, sowohl bei Glocken- wie bei Kelchkrateren: Vgl. z.B. CVA Wien 3, Tf. 110 und 127ff.

109 Teil eines Kraterfußes, Dm 0,128; bis auf schmalen roten Streifen (Rot aufgelegt) am oberen Rand der Fußscheibe mit schwarzem Glanzton überzogen. Die schlichte Form des Fußes und der Ansatz des Gefäßes darüber sprechen für Ergänzung als Glockenkrater; doch ist bei diesen meist die Seite des Fußes tongrundig belassen: Richter - Hail Tf. 171; vom späteren 5. Jh. an scheint sich aber auch bei Glockenkrateren die einheitliche Grundierung mit schwarzem Glanzton durchzusetzen, vgl. CVA Wien 3, Tf. 117ff.

110 Tf. 9 Fußfragment wie 109, doch niedriger; Dm 0,12. Vgl. CVA Tübingen 4, 58 Abb. 16.

111 Frgt. eines großen, offenen Gefäßes - Krater? - mit Darstellung eines bärtigen Mannes (Kopf); Dm ca. 0,26; Wandstärke 6 mm. Zum Kopf vgl. z.B. Hesp. Suppl. X (1956) 49, Nr. 212 oder auch Arias/Shefton/Hirmer Tf. 198 - vom gleichen Gefäß wie 104?

112 Lekythos-Mündung (Dm 4 cm) ganz ähnlich wie 97; auch Oberseite mit schwarzem Glanzton versehen; vielleicht vom gleichen Geläß Teil des Halses mit Henkelansau: schlecht erhalten; Glanzton im Brand dunkelrot start schwarz verfärbt.

113 Halsfrgt. einer Lekythos: Ansatz des Henkels deutlich, dazu unten am Ansau der Schulter Restchen des Öleinsatzes erhalten; H 7 cm; etwa in der Mitte eine feine horizontale Kante: darüber schwarzer Glanzton, darunter Weiß.

114 Schalenfrgt., nur 1 Henkel und Teil der Wandung erhalten; bester schwarzer Glanzton; erh. Dm 0,24. Vgl, München 2710: Bloesch, FAS Tf. 37. Während an der Münchner Schale im inneren ein Absatz in Höhe der Henkel noch die alte Gliedrigkeit (Schalenbecken und Rand) erkennen läßt, ist es am vorliegenden Frgt. eine von oben wie von unten fast gleichmäßig aufgeworfene Kante geworden.

115 Lampen-Frgt. Dm 0,10; sehr feiner, attischer Ton. Vgl. Kerameikos XI 17, Nr. 2 (520/480).

116 Schalen (?)-Fuß; Dm 0,09; Ton beige-braun; schwarzer Überzug stumpf, an der Außenseite des Standringes teilweise herabgelaufen, vgl. 79; offenbar nicht attisch. Hoher Standring, der aber nur mit dem äußeren Rand aufsteht - vgl. die attischen Fischteller (zu denen aber der Verlauf des erhaltenen Schalenbodens nicht paßt); vgl. auch die kleine Schale Agora XII 880, deren Fußprofil übereinstimmt - doch weicht anderes ab. Die Anlehnung an Attisches scheint deutlich zu sein, doch wird kein bestimmter Formentypus konsequent befolgt - auch dies läßt an lokale Imitation/Variation denken.

117 Schalen (?)-Fuß; Dm 0,076; Ton und Überzug wie bei 116; Fuß ganz ähnlich in Eretria: ADelt 33, 1978 A zoof, Nr. 34 (doch im Inneren 'rouletting’!). Auch demnach beide Gelaße wohl vom Ende des 4. Jh.

Bezogen auf die beiden klassichen Jh. sind in den Schichten B und C frühe und späte Gelaße vertreten; zwar überwiegen in C die Frgte. des 5. Jh., doch zeigen Vertreter des 4. Jh., daß B und C nicht zeitlich ‘gewachsene’ Schichten sind, sondern imgrunde zusam-mengehören. Nur der oberste, hellenistische Horizont A sondert sich klar ab - wie an der W-Bastion.

Noch auffälliger als dort ist der höhere Anteil an Lekythen, d.h. an eindeutig sepul- kral bestimmter Ware. Da es stets nur bescheidene Fragmente sind, liegt der Schluß nahe, daß es sich um Schuttmateria) von der Nekropole handelt. Entsprechend ließe sich auch der hohe Anteil an Krateren deuten. Hinzu kommt nun noch ein merkwürdiger Befund. Nördlich der NW-Ecke des Turmes wurde kanpp über dem lockeren Felsen eine ausgedehnte, bis zu 5 cm starke Aschenschicht freigelegt, die sich nach N weiter in die Schnittwand fortsetzt. In schwarzer und weißgrauer Asche, gelegentlich mit Holzkohle-Stückchen durchsetzt fand sich reichlicher Leichenbrand: Völlig zerfaserte Knochensubstanz, die nur noch selten Knochenformen erkennen ließ - menschliche Knochen. Darunter folgte noch eine dünne Schicht rotbrauner Erde und dann erst der Fels (23, 15/23, 10). Der Befund zeigt klar, daß as sich um Material handelt, das von anderer Stelle - wie auch immer - hier eingebracht wurde.

In diesem Zusammenhang sei noch der Befund eines weiteren Schnittes mitgeteilt, auch wenn das abschüssige Gelände die Zuordnung der Funde zu einzelnen Horizonten erschwert. Östlich des Turmes 1 bzw. nördlich des Anbaues wurde das abfallende Gelände teilweise abgegraben, soweit es die Nähe des Fahrweges erlaubte. Ein auffälliger Unterschied gegenüber den beiden betrachteten Bereichen besteht darin, daß der ‘hellenistische Horizont’ ungleich reichlicher ist als der ältere. Neben zwei Amphoren stempeln besteht das Material weitgehend aus Fragmenten ‘delischer’ Reliefkeramik, einer z.T. sehr dünnwandigen, meist grauen Ware mit dünnem schwarzem Überzug, der nicht immer einen matten Glanz erreicht.

118 Amphoren-Henkel mit Stempel: AMYNTA und re davon ein Kranz; rhod. Grace; Da nicht in der Middle Stoa-Füllung vertreten, wohl nach 184 v. Chr.; doch mit Töpfern der Zeit 188-176 verbunden. Vg). BCH Suppl. XIII 516ff Nr. 3.

119 Amphoren-Henkel mit Stempel; Grace: ΒΡΟΜΙΟΥ und re ein Kranz; rhod.; latish in 2nd quarter of 2nd cent B.C. Vgl. Tarsus I 143, no. 51-53; IstMitt 23/4, 1973/4, 114 no. 168.

120 Tf. 10 Randfrgt. eines 'delischen' Bechers: Unter dem glatten, leicht nach innen geknickten/gebogenen Rand ein kräftiger Eierstab; darunter Rest einer behelmten Figur mit flatterndem Mäntelchen und ausholender Lanze, heftig nach re agierend; vor ihm Rest des Pferdekopfes. Vgl. allenfalls AJA 45, 1941, 207 Tf. 5 (doch ohne Helm und ohne Mäntelchen -Jagd) und 229ff Tf. XII (Mäntelchen tiefer flatternd, böot.?).

121 Ganz ähnlich wie 120; statt Eierstab ein dichtes Flechtband; darunter kleiner Rest wie von einer Darstellung (KopP): Vgl. EADélos XXXI Tf. 98, 3197. - Flechtband im Att. häufig, in Delos seltener, und dann fast immer in Verbindung mit weiteren Zierleisten (Mäander, Ranke, Eierstab).

122 Frgt. wie 120, statt Eierstab dichter Fries 8-blättriger Rosetten. Hier und bei 123 Ton beige und Überzug dunkelrot. Vgl. Roos 1974, B 1, 19 (doch hier grau!).

123 Wand-Scherbe; zum Material vgl. 122; Rest des Eierstabes, dann Kreuzplatten-mäander und mächtiger Perlstab. Eierstab in Delos meist über dem Mäander; wie hier: EADélos XXXI Tf. 47, 9543; 98, 9538. Mäander mit Perlstab a.O. Tf. 4, 1340; 12, 1798 und 9077 (doch Perlen oval); ‘Kugelperlen’ a.O. Tf. 70, 8866-4662; 73, 5957 und 8348; 76, 1246 u.a.

124 Wandscherbe: Ranke nach li; darüber Rest eines breiten Eierstabes, darunter 3 feine Rundstäbe als Trennung zum nächsten Register. Vgl. EADélos XXXI Tf. 36, 866- 996; 105, 1639; Rundstäbe und Breite des Eierstabes in Delos ungewöhnlich.

125 Kleines, sehr dünnwandiges Frgt. (2 mm dick) mit Rest eines Eierstabes und einer Weinranke darunter; diese nach li gerichtet. Roter Ton und kräftig roter, glänzender Überzug. Motivisch nahe EADélos XXXI Tf. 34, 481 (Ranke aber re-läufig); AvP I 2, Beibl. 43,8 (Traube hängend); XI 1, Tf, 59, Nr. 431 (re-läufig); dazu EADélos XXVII Tf. 40 D8.

126 — Bodenfrgt. mit Rest des konzentrischen Kreises und aufsteigendem Lanzett- blatt. Vgl. EADélos XXXI Tf. 38, 1138 u.a. Samos IV Nr. 317; Bd'A Suppl. 31/32 (1985) 86 Tf. XIII C.

127 Bodenfrgt. ähnlich 126, doch Blatt rautenförmig. Vgl. EADélos XXXI Tf. 71, 9341-9342;100, 9185; Bd’ASuppl 31/2 (1985) 86 Tf. XIII b.

128 Bodenfrgt. mit Rest des Mittelmedaillons; vertikale kurze Furchen ähnlich 68 und 94, doch greifen die Strichreihen versetzt ineinander.

129 hn gleichen Kontext gefunden Tk.: Oberkörfer einer männlichen, unbekleideten Figur, die Re hielt wohl etwas vor der Brust. H 4,3 cm; aus 2 Formhälften; vor allem auf der Brust Reste eines intensiv rosa Überzuges. Körperrelief stark betont, Ansatz stark vortretender Glutäen - Groteske? Vgl. S. Besques, CaL Louvre III Tf. 242, a+b; 243, a+h; 246f; 257, b+c.

Von dieser Ware setzt sich klar das Wenige ab, was tiefer gefunden wurde, durch eine schmale, sterile Steinsplitt-Lehm-Schicht vom oberen Horizont getrennt:

130 — Boden (Dm ca. 0,14) und Hals mit Schulteransatz einer Lagynos; auffallend dünnwandig; harter, dichter, roter Ton mit reichlich feinen Glimmerpartikeln. Weiß aufge-tragen, am Hals roter Streifen auf das Weiß aufgelegt. Vgl. J. Schäfer, PF 2 (1968) 105ff. Die steile Wand und die flache Schulter weisen ins 2. Jh. v. Chr.

131 Frgt. vom Rand eines Kraters ähnlich den Fegte. 105ff? Über dem nach re ge-richteten Lorbeerzweig ein klarer Grat, darüber stärker nach außen gerichteter hoher Randteil, wie er bei Krateren durchaus ungewöhnlich ist.

Wichtig sind schließlich 2 Lampen:

132 Tf. 10 Lampe, schwarzgrauer Überzug, Ton heller; Dm (Boden) 6 cm; Henkel und Mündung fehlen, mit Warze. Vgl. Agora IV 126, Typ 32 (gelegentlich bereits mit Ver-tikalhenkel); die kleine Öffnung weist bereits auf Typ 40 A. Vgl. femer Labraunda III, 80 Nr. 2t und IstMitt 32, 1982, 65 Nr. 151; knidische Lampen: EADélos XXVI 39f.

133 Teil einer Lampe, heller, beiger Ton, dunkelroter Überzug innen und außen. In Ton und Überzug nahe die delischen Lampen wie EADélos XXVI 25 Nr. 24: (doch Umriß abweichend). Vgl. die attischen Vertreter Kerameikos XI 50i: Beispiele der Gruppe FSL i kommen nahe; diese würden die Lampe in Kaunos ins mittlere 3. Jh. verweisen (bei FSL 3 ist die Knubbe bereits ohne Öse).

Für den Befund des Abschnittes ist wichtig, daß unmittelbar auf dem Fels, etwa 1,6 m östlich der Turmmauer ein einzelner menschlicher Kieferknochen gefunden wurde: Wie in den beiden anderen Arealen wieder Skelettrest, auch hier verbunden mit rf. Keramik (131), freilich mit weit weniger Scherben, und nicht so eng verbunden. Doch scheinen Kieferknochen und die Funden 131 ff e i n e r Schicht anzugehören (freilich wurde die Lagynos 130 in kaum höherem Niveau gefunden!). Die Lampen geben einen - wenn auch vagen · Hinweis darauf, wann die Schicht eingebracht wurde: Nicht vor dem mittleren 3. Jh. v. Chr., vielleicht wenig später.






























Footnotes

  1. An beiden Kampagnen nahmen zahlreiche Mitarbeiter teil. Zum Team der Geodäten unter Leitung von P. Franke gehörten 1988 die studentischen Mitarbeiter P. Winkels, B. Görres, U. Gellhaus, A. Scholz/Universität Bonn sowie Dipl.-Ing. R. Celik und A. Aydin/TU Istanbul; 1989 gehörten zum Team Dipl.-Ing. Y. Altiner, C, Peters, die studentischen Mitarbeiter P. Winkels, B. Görres, Th. Kiesen, D. WolfT/üniverstität Bonn sowie R. Celik und F. Diril/TU Instanbul. Bei den im engeren Sinne archäologischen Arbeiten halfen 1988 H.-D. Bader, R. Peper und O.-H. Svenshon, 1989 H.-D. Bader, E. Greul, R. Pe- per, B. Varkivanc und H. Wege. Allen diesen Mitarbeitern auch hier zu danken ist mir ein Bedürfnis. / Neben den geläufigen Abkürzungen werden im Folgenden benutzt: / Roos 1968 P. Roos, OpAth 8, 1968, 149ff. / Roos 1972 P. Roos, The Rock-Tombs of Caunus I, / The Architecture / Roos 1974 P. Roos, The Rock-Tombs of Caunus II, / The Finds / Roos 1985 P. Roos, Survey of Rock-Cut Chamber-Tombs in Caria I, South-Eastern Caria and the Lyco-Carian Borderland.
  2. Weitgehend noch erhalten war ein sandiger Verputz, mit dem die Fugen mehrfach oberflächlich verstrichen waren. Diese Oberflächlichkeit des Verstreichens läßt vermuten, daß der Verputz nicht ursprünglich ist, sondern wohl von späteren Renovierungen stammt.
  3. In die östliche Wand sind zwei Felsgräber eingehauen, die freilich stark verfallen/ zerstört sind; gleiches gilt für das Felsgrab in der südlichen Steilwand. Gräber erwähnt von P. Roos 1968, 154.
  4. Die Quader bestehen hier wie in den weiteren Abschnitten in der Regel aus einem hellgrauen, streifigen Marmor; gelegentlich ist es zweifelhaft, ob der Kristallisierungsprozeß so weit fortgeschritten ist, daß es wirklich Marmor und nicht mehr Kalkstein ist.
  5. Zwei Quader der N-Mauer weisen sogar je 2 Stemmlöcher auf. - Die Lage der Stemmlöcher ist nicht ganz einheitlich, manche reichen bis in den glatten Randschlag hinein.
  6. 0,7 m nordwestlich der NW-Ecke ist die westliche Verbidungsmauer unterbrochen: ein Schacht von 1,8 m Länge und 0,56 m Breite ist quer zum Mauerverlauf angelegt. Teils sorgfältig geglättete Quader, teils bossierte und roh belassene Blöcke bilden eine rundum laufende Schicht von ca. 0,45 m Höhe. Nur im W fehlt ein Abschluß. Der nordwestliche Eckblock, der zugleich in Flucht der Maueraußenschale liegt, weist ein Stemmloch auf, dessen Orientierung nicht dazu paßt, Blöcke der Mauerschale in Position zu rücken. Dies Detail, das unterschiedliche Steinmaterial des 'Schachtes' und seine Lage lassen vermuten, daß es sich um einen nachträglichen Einbau, wohl ein Grab handelt. Im Inneren des Schachtes fanden sich zahlreiche Frgte. großer Schieferplatten, mit denen das Grab offensichtlich abgedeckt war. Von einer Bestattung fanden sich allerdings keinerlei Reste.
  7. Erstaunlich häufig finden sich hier sogar zwei Stemmlöcher pro Quader.
  8. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, daß die Außenschale der Mauer ca. 1,5 m vor der NO-Ecke des Turmes einen leichten Knick nach O macht, so daß sich die Mauer in ihrem südlichsten Teil ein wenig verbreitert. Auch dieser Befund läßt eher an eine ergänzende zweite Baumaßnahme denken als an eine einheitliche, absichtsvolle Planung.
  9. Allerdings biegt der Randschlag des Auflagers nicht um, wie es bei einem Eckblock zu erwarten wäre.
  10. Eine solche 2. Bauphase könnte auch erklären, daß im Inneren des Turmes Felsabarbeitungen zu erkennen sind, die einer Linie folgen, jedoch in klarer Divergenz zum jetzigen Mauerverlauf. Ferner sind am nördlichen Ende der östlichen Verbindungsmauer Felsabarbeitungen erhalten (Höhenpunkte 17.818 und 17.147), die von der heutigen Mauer nicht genutzt werden. Alle diese Abarbeitungen könnten sehr wohl von einem Vorgängerbau mit leicht abweichender Orientierung stammen.
  11. Nicht ausschließen läßt sich natürlich vorerst, daß es sich auch um Spolienmaterial von einem anderen, entfernteren Bauwerk handelt.
  12. Vgl. Schrader-Wiegand. Pnene Τf. VI; Samos XV 42f, AvP I 2, Beibl. 21f.
  13. Milet II 3, 15, Samos XV 42f.
  14. Wrede, AM 54, 1929, 79f.
  15. Inwieweit die Stemmlöcher als chronlogisches Indiz zu werten sind, läßt sich kaum sagen. In der laufenden Mauer einer Befestigung scheinen sie nicht üblich zu sein, in Milet (II 3, 15) aber sind sie belegt; an Ecken und Toren sind auch Klammem und Dübel mehrfach nachweisbar (Milet II 3, 17; AvP I 2, 1861).
  16. Henkel, die nach Material und Format zugehören könnten, wurden nicht identifiziert. Doch könnten zumal kleinere Bruchstücke als insignifikant verworfen worden sein.
  17. Die konischen Füße ostionischer Fußteller (vgl. z.B. Samos VI I, 10ff) scheinen stärker nach unten aufzuschwingen bzw. sich nach oben stärker zu verjüngen.
  18. Nur 2 Male sind Reste einer Bildzone’ erhalten.
  19. Nur bei 28 und 29 sind Reste von Bemalung erhalten: Denkbar, daß Schalen und Schüsseln seltener und/oder wenige bemalt wurden, doch ebenso denkbar ist. daß sie nur schlechter erhalten sind.
  20. Vgl. z.B. die 'rhodische’ Ware in Tocra, BSA Suppl. 4, 41ff; Milet: IstMitt 32, 1982, 46ff; Didyma: AA 1989 202, Xanthos IV 48, Nr. 53ff.
  21. Der Terminus 'Bastion' ist hier und im Folgenden vor allem deshalb benutzt, um die besonders großen Anlagen von den kleineren Türmen zu unterscheiden. Bei der SW- und W-Bastion kommt hinzu, daß es sich um weitgehend massive Anlagen handelt im Unterschied zu Türmen mit Kammern (gerade diese Frage, ob massiv oder mit Innenraum, läßt sich für die 'S-Bastion’ nicht entscheiden). - Zu den Begriffen Bastion und Batterie vgl. auch J.-P. Adam. L’Architecture Militaire Grecque 71 und A.W. Lawrence, Greek Aims in Fortifications 395.
  22. Roos 1968, 154 spricht von einem big building und erwähnt den Fund einer weißen Marmorpalmette, vielleicht Akroter, und 'einige profilierte Basen’.
  23. Ob in der N-Wand östlich des großen Spo lien qua ders mit der Höhenmarke 38.832 eine Tür lag, ist derzeit noch unklar.
  24. Sunion: A.W. Lawrence, Greek Aims in Fortification (1979) 390. / Goritsa: La fortification dans L’Histoire du Monde Grec, Colloque Valbonne 1982 (1986) 315ff.; Samos XV 84f.
  25. Vgl. z.B. den großen Turm 18 in Herakleia mit einer Grundfläche von to X 10 m Mauerstärke: 1,4 m (Milet III 2,30); bei den noch größeren Türmen am westlichen Hafen (bis 13,7 X 15 m) erreichen die Mauem eine Stärke von 1,80 m (a.O. 35).
  26. In der Innenschale der W-Mauer ist ein Block von 1,79 m Länge und 0,3 m Höhe verbaut; ein Profilblock in der Nähe mißt 1,22 X 0,80 (Höhe) X 0,32 (Dicke).
  27. Randschlag 3,5/5,0/4,0 cm breit. - Im Unterschied zu den Quadern der S-Mauer sind die Bossen nicht unregelmäßig vorgewölbt, sondern sie sind als vortretende, doch plane Fläche gebildet, zugleich aber auffallend grob gearbeitet.
  28. Zur weiteren Nutzung der Weinamphoren vgl. V.R. Grace, Amphoras (Athenian Agora, Picture Book 6) und EADélos XXVII 278. Gerade die Wiederverwendung dieser Amphoren als nützliche Behälter mag im Einzelfall dazu geführt haben, daß sie auch erst nach einem oder Zwei jahrzehnten zu Bruch gingen oder unter die Erde kamen. / Natürlich sind auch die anderen Keramikfunde 60f zu bedenken; doch bereitet ihre zeitliche Fixierung, zumal eine genauere auf ein oder zwei Dezennien derzeit noch erhebliche Schwierigkeiten. Zudem wurde die Schale 61 im oberen Schuttbereich gefunden, so daß ihr Bezug zum Turm und seiner Anlage auch angezweifelt werden kann.
  29. Der Aushub der schmalen Sondage forterde kaum Keramik zutage. In der ca. 0,3 m starken Humusschicht fanden sich zwei Scherben mit schwarzem Glanzton. Darunter folgte bis etwa -1,8 m eine Schicht mit vielen mittelgroßen Steinen; Erde fehlte z.T. fast ganz in dieser Packung. Die unterste Schicht, etwa 0,3 m stark bestand aus vielen kleinen Steinen durchmischt mit Erde. Hier fand sich nahe der Turm-N-Mauer eine Scherbe mit schwarzem Glanzton: Sie gäbe allenfalls einen terminus post für den Turm, aber keinen Hinweis für das Datum der Polygonalmauer..
  30. Diese polygonalen Blöcke zeigen, daß der Unterschied zwischen Außen- und Innenschale nicht im Sinne beabsichtigter Mauertechniken - isodom bzw. polygonal - zu verstehen sind.
  31. Von einem Verschluß der Pforte, einer Tür ist uichts erhalten, weder Rest einer Schwelle noch Rest eines Türanschlages.
  32. Der Turm ist leicht unregelmäßig: Lange der N-Mauer 6,5 m, der W-Mauer 6,75 m, der S-Mauer 6,6 m, der O-Mauer 6,5 m.
  33. Sie besteht aus großen, grob geglätteten Steinplatten, die unter den Wangen dicht nebeneinander verlegt sind, im Durchgang selbst dagegen auch mit größeren Abständen, die mit grauem Lehm ausgestrichen sind.
  34. Die gut erhaltene Pforte im N-Teil der W-Mader hat eine Durchangsköhe von 2,46 m im Bereich der Mauer - Außenschale und eine Kammerhöhe von 2,83 m.
  35. Blöcke bis zu 0,7 m Höhe und fast 2 m Lange im unteren Bereich der N-Mauer.
  36. Angesichts des Formates der Rechteckfundamentierung mag man erwägen, ob die vermutete Mittelstütze, nicht noch ein weiteres Geschoß trug, über dem dann erst das Dachgeschoß folgte. Doch wäre dann mehr Versturzmaterial zu erwarten als vorhanden ist - es sei denn, die oberen Geschosse wären volltändig aus Lehmziegeln gebaut gewesen.
  37. Der Mauerfuß ist bislang bei 23.20 noch nicht ergraben.
  38. Die an Turm I anschließende Mauer der Plattform ist bis zu einer Tiefe von ca. 1,60 m (-ca. 24.55) aus Quadern unterschiedlicher Formate horizontal bzw. vertikal orientiert geschichtet; darunter folgt ein sehr unregelmäßiger, polygonaler Verband. Die ‘Fuge’ liegt genau in Höhe der Türschwelle des Turmes II, könnte insofern gut einem Gehhorizont entsprechen; jedoch zeichnete sich im anschließenden Schnitt kein entsprechender Horizont ab.
  39. Auch im oberen, rustizierten Teil der S-Mauer sind mehrfach Spolien zu erkennen, z.B. an Abarbeitungen oder glatter Oberfläche.
  40. In fast gleichem Niveau endet der ‘isodome' Teil der westlich an den Turm anschließenden Plattform mauer (S. Anm. 38).
  41. Im Plan erscheint der Turm verzogen: Die O-Mauer scheint nach N und die W-Mauer nach S verschoben zu sein. Doch zeigt der Befund an der NO-Ecke klar, daß die oberen Quaderschichten mehr als 10 cm nach N verrutscht sind, die Turmecke im unteren Bereich regulär liegt.
  42. Für Wagenverkehr war das Tor demnach ungeeignet. Entsprechend fanden sich in dem freigelegten Sektor der Schwelle auch keine Abnutzungsspuren, wie sie durchfahrende Wagen hinterlassen, und wie sie bei einer Spurbreite der Wagen von 1,45 m zu erwarten wären (vgl. Pompeion-Propyion: Kerameikos X 49).
  43. Der Befund entspricht dem in der Pforte der nördlichen W-Mauer.
  44. Die Tiefe des Balkenloches ist noch unbekannt. An der Pforte im N-Teil der W-Mauer liegt das Balkenloch 1,25 m über der Schwelle und 14 cm hinter dem Anschlag der Tür; es mißt 21 (Höhe) X 18 cm (Breite).

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